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Schriftstellerin Cornelia Funke:"Ich habe nie an mehr literarischen Projekten gearbeitet als jetzt."

Haben Sie deshalb "Breathing Books" gegründet?

Ich habe Breathing Books aus diesem Grund jetzt und so schnell gegründet. Der Plan besteht schon länger. Aber ich hatte meinen Spiegelwelt-Fans in England und den USA versprochen, dass das Buch im Herbst dieses Jahres erscheint und ich halte meine Versprechen gern.

Sie wollen nicht nur klassisch Bücher verlegen, sondern verstärkt digital arbeiten.

Ja, wir wollen ungewöhnliche Bücher machen. Für den dritten Teil von "Drachenreiter" entwickeln wir gerade eine Geschichte, die ähnlich mit dem digitalen Format experimentiert wie meine MirrorWorld-App für die Spiegelwelt-Reihe. Wir werden die Geschichte in einem Graphic Novel Format mit leichten Animationen erzählen, aber sie sowohl als E-Version als auch auf Papier herausbringen. Zusätzlich kommt der zweite Teil von "Drachenreiter" als ganz klassisch erzähltes Buch heraus.

Also sehen Sie die Zukunft eher im Bild und nicht im Text?

Das sind einfach meine zwei Seiten: die Geschichtenerzählerin und die Illustratorin. Ich habe nie an mehr literarischen Projekten gearbeitet als zurzeit. Ich glaube, auch, weil ich mich inzwischen von meinen Illustrationen beim Schreiben inspirieren lasse. Das ist eine ganz wunderbare Mischung! Ich teile meine Arbeitszeit ein. Die Hälfte schreibe ich, die andere zeichne ich. Wenn wir uns die Romane des 19. Jahrhunderts ansehen, seien es die von Charles Dickens oder Victor Hugo, so sind die üppig illustriert. Das war eine andere Art, Bücher herauszubringen, die leider sehr selten geworden ist.

Dahin wollen Sie wieder kommen?

Genau. Und ich möchte noch etwas anderes versuchen. Heute haben wir alle unsere Lieblingsserien. Bei Büchern muss man dagegen drei Jahre warten, bis der nächste Teil erscheint. Die Leser seufzen zu recht über die langen Wartezeiten. Deshalb will ich versuchen, in kürzeren Abständen zu veröffentlichen, also vielleicht keinen 300-Seiten-Roman vorlegen, sondern in drei Schritten hundert Seiten herausbringen. Mal sehen ...

Sie orientieren sich am Erfolgskonzept von Serien.

Ich orientiere mich an mir selbst. Ich liebe es, wenn etwas weitergeht. Das ist ja das Fantastische am ausführlichen Geschichtenerzählen: dass wir Charaktere genauer kennenlernen und mit ihnen auf die Reise gehen. Ein gutes Beispiel ist "Game of Thrones". Als ich vor 20 Jahren die Bücher las, habe ich gehofft, dass keiner einen Film daraus macht, weil die Geschichte dafür dramatisch hätte verkürzt werden müssen. Dass es nun episch in Form einer Serie erzählt wird, kommt dem Erzählen des 19. Jahrhunderts nahe.

Game of Thrones "Game of Thrones" als interaktive Grafik

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