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Schauspielerin Lauren Bacall:Dieser teuflisch elegante Hüftschwung

Am Ende ist der hagestolze Bogart für die republikanische Sache gewonnen, er wird den Flüchtlingen helfen. Gewonnen ist er aber vor allem für die Frau, die ihm beigebracht hat, was man mit den Lippen alles machen kann. Mit einem Hüft-schwung geht sie davon, Bogart folgt ihr, und sogar der heilige Narr Walter Brennan versucht, diesen teuflisch eleganten Hüftschwung nachzuahmen.

In Wirklichkeit hatte Betty Bacall Angst vor Bogart. Dabei gelang ihr das Kunststück, den fünfzehn Zentimeter kleineren Mann von unten anzusehen, die Verführung, die sich als Unterwerfung tarnte. Im "Tiefen Schlaf", in dem Hawks die Paarung noch einmal versuchte, scheint Bogart als Privatdetektiv sich noch immer vor der aggressiven Sexualität der Frau zu fürchten, die er inzwischen geheiratet hatte.

Lauren Bacall gebar ihrem Mann zwei Kinder, sie war eine liebende Mutter und sie machte sogar die Kumpeline für den Säuferkreis um ihren Mann. Das Kino wollte sie trotzdem nicht aufgeben, lehnte aber wenigstens zwölf Rollen ab. Dafür wurde sie streng gemaßregelt; die Angebote blieben aus.

Wie sie hochbegabte Alkoholiker betreute

Mit Betty Grable und Marilyn Monroe spielte sie in der bescheidenen Komödie "Wie angelt man sich einen Millionär?" (1953), fand aber ein besseres Auskommen in Douglas Sirks Super-Soap "In den Wind geschrieben" (1956), in der sie einen Alkoholiker zu betreuen bekommt. Ihren Blick verlor sie nie, und noch lange verwirrte sie alle mit ihren Haaren. Doch das Kino verschwand, verkleinerte sich zum Fernsehen, und für die gefährliche Frau, die Verführerin, die nicht gleich die Axt schwingt, sondern mit diesem einen bezwingenden Blick regiert, gab es bald keine Kamera, keinen Produzenten, keinen Film mehr.

Bogart starb, und sie war allein. Nach einer unglücklichen Affäre mit Bogarts Saufkumpan Frank Sinatra heiratete sie den Kollegen Jason Robards, gebar auch ihm einen Sohn und durfte sich wieder der Betreuung eines hochbegabten Alkoholikers widmen. Als in Hollywood endgültig die Schönheitschirurgen die Macht über die Blicke übernahmen, kehrte Lauren Bacall in ihre Heimatstadt New York zurück. In Peter Handkes Roman "Der kurze Brief zum langen Abschied" (1972) wird sie bereits als Überbleibsel aus einer großen Vergangenheit beschrieben, mit Posen, die "Lauren Bacalls Körper wie eine Maschine ausführte". Es war das Musical "Applaus", für das sie einen Tony erhielt.