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Schauspieler Harvey Keitel wird 75:Vom Schuhverkäufer zum "Method Man"

Erst ging er zu den Marines, dann arbeitete er als Schuhverkäufer und Gerichtsstenograph: Harvey Keitel gehört heute zu den Größen Hollywoods. An diesem Dienstag wird der amerikanische Schauspieler 75 Jahre alt. Seine eindrucksvollsten Rollen.

Von Ines Alwardt

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Harvey Keitel und Zina Bethune in "Wer klopft denn da an meine Tür?".

Quelle: Imago Stock&People

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Erst ging er zu den Marines, dann arbeitete er als Schuhverkäufer und Gerichtsstenograph: Harvey Keitel gehört heute zu den Größen Hollywoods. An diesem Dienstag wird der amerikanische Schauspieler 75 Jahre alt. Seine eindrucksvollsten Rollen. Von Ines Alwardt

Alles an J.R. erzählt von seiner Liebe - wie er die blonde Frau ansieht, wie er mit ihr spricht, wie er sie anfasst. Nur zulassen kann er seine Gefühle nicht. Das ist J.R.'s Dilemma in "Wer klopft denn da an meine Tür?" (1967).

Der junge arbeitslose J.R., ein gläubiger typischer Italo-Amerikaner aus New York, verliebt sich in eine gebildete Studentin (Zina Bethune). Als sie ihm gesteht, dass sie keine Jungfrau mehr ist und von einem Ex-Freund vergewaltigt wurde, wendet J.R. sich von ihr ab, hin- und hergerissen zwischen seinem katholischen Glauben, einer beklemmenden Sexualmoral und den eigenen Gefühlen.

Der Film ist Martin Scorseses Regie-Debüt, J.R. ist Harvey Keitels erste große Rolle. Schon damals ist klar: Keitel, Sohn jüdischer Einwanderer, ist ein Charakterdarsteller. Und es sind die schwierigen Figuren, Zerrissene und Außenseiter, die Keitel von Beginn an spielt.

Harvey Keitel in "Willkommen in Los Angeles"

Quelle: Imago Stock&People

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Harvey Keitel gilt als einer der berühmtesten Vertreter des "Method Acting", bei dem sich Schauspieler eigene Gefühle und Erlebnisse ins Gedächtnis rufen. Keitel studiert bei Koryphäen wie Lee Strasberg und Stella Adler.

Dabei hat er nicht die besten Vorraussetzungen für eine Hollywood-Karriere. 1939 in New York geboren, stammt Keitel aus einer ärmlichen Familie: Als Kind jüdischer Emigranten wächst er als eines von drei Kindern in Brooklyn auf. Der Vater schuftet als Näher in einer Fabrik, die Mutter arbeitet als Serviererin. Das Geld ist knapp.

Harvey Keitel in "Willkommen in Los Angeles" (1976) von Alan Rudolph.

Harvey Keitel in "The Duellists"

Quelle: Imago Stock&People

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Weil er Geld verdienen will, geht der junge Harvey direkt nach der High School zu den Marines. Als er nach drei Jahren die Armee verlässt, wird er erst Schuhverkäufer, dann Stenograph an einem New Yorker Gericht. Dort lernt er die Abgründe der Stadt und ihre Menschen besonders gut kennen. Dass Keitel später einige dieser Erfahrungen und Geschichten in seinen Rollen verarbeitet hat, ist anzunehmen. Genügend Gelegenheit, den Bösewicht zu spielen, hatte er jedenfalls.

In Ridley Scotts "Die Duellisten" mimt er 1977 den Offizier Feraud der napoleonischen Armee. Auf dem Filmfestival in Cannes wird der Streifen seinerzeit als bester Debütfilm ausgezeichnet.

Harvey Keitel in Martin Scorseses "Mean Streets".

Quelle: Imago Stock&People

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Keitels Karriere ist untrennbar mit der von Regisseur Martin Scorsese verbunden: Nach ihrem ersten gemeinsamen Film, "Wer klopft denn da an meine Tür?", drehen sie zusammen vier weitere, darunter den Gangsterfilm "Hexenkessel" (Originaltitel: "Mean Streets", 1973) ...

Harvey Keitel in Martin Scorsese's "Mean Streets".

Harvey Keitel (links) und Robert de Niro in Martin Scorseses "Taxi Driver" (1976).

Quelle: Imago Stock&People

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... und "Taxi Driver" (1976). Für Letzteren wollte Scorsese eigentlich Keitel in der Hauptrolle des vereinsamten New Yorker Taxifahrers Travis Bickle sehen, aber die Produzenten bestanden auf Robert De Niro. Keitel hingegen musste mit der Rolle des langhaarigen Zuhälters vorliebnehmen.

Harvey Keitel (links) und Robert de Niro in Martin Scorseses "Taxi Driver" (1976).

Harvey Keitel in Abel Ferraras "The Bad Lieutenant" (1992).

Quelle: Imago Stock&People

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Einen Knick bekommt Keitels Karriere, als er für Francis Ford Coppolas Film "Apocalypse Now" (1979) vor der Kamera steht. Keitel soll darin die Hauptrolle des Captain Willard übernehmen. Aber schon nach wenigen Tagen schmeißt Coppola ihn raus, besetzt Willard stattdessen mit Martin Sheen. Warum? Das weiß bis heute niemand genau. Für Keitel ist es ein herber Rückschlag. Er zieht sich zurück ...

Harvey Keitel in Abel Ferraras "The Bad Lieutenant" (1992).

Harvey Keitel in Abel Ferraras "The Bad Lieutenant" (1992).

Quelle: Imago Stock&People

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... und kommt wieder: mit einem gewaltigen Durchbruch in Abel Ferraras "The Bad Lieutenant" (1992). Keitel spielt darin einen nach Sex und Rauschgift süchtigen New Yorker Cop am Rande des psychischen Zusammenbruchs. Beklemmend ist seine Darstellung der Figur, die sich zwischen Erlösungssehnsucht und unerträglicher Körperlichkeit bewegt. Da ist er wieder: der Zerrissene, der Außenseiter. Keitel gewinnt für die Rolle im Jahr 1993 den Independent Spirit Award.

Harvey Keitel in Abel Ferraras "The Bad Lieutenant" (1992).

Harvey Keitel in Jane Camions "Das Piano" (1993).

Quelle: Imago Stock&People

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Er brilliert in Barry Levinsons "Bugsy" (1991) in der Rolle des Gangsters Mickey Cohen - und ist dafür sogar für den Oscar nominiert. Aber er kann auch ruhiger: In Jane Campions Drama "Das Piano" (1993) glänzt er als George Baines, der sich in die stumme Klavierspielerin Ada McGrath verliebt.

Harvey Keitel in Jane Camions "Das Piano" (1993).

Harvey Keitel (rechts) und Quentin Tarantino bei den Dreharbeiten zu "Reservoir Dogs" (1992).

Quelle: Imago Stock&People

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Woher Keitel das Repertoire dieser grundverschiedenen Figuren mit ihren zahlreichen Abgründen nimmt? Bei den Marines sei er für den Nachtkampf ausgebildet worden, erklärte er in einem Interview. Der Ausbildungsleiter habe die Truppe einfach irgendwo in der Dunkelheit ausgesetzt und gesagt: "Ihr habt Angst vor dem Dunkeln, weil ihr vor allem Angst habt, was ihr nicht kennt. Ich werde euch die Dunkelheit lehren, damit ihr keine Angst mehr davor habt."

Harvey Keitel (rechts) und Quentin Tarantino bei den Dreharbeiten zu "Reservoir Dogs - Wilde Hunde" (1992).

Harvey Keitel (links), John Travolta (Mitte) und Samuel L. Jackson (rechts) in Pulp Fiction (1994).

Quelle: Imago Stock&People

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Zusammen mit Quentin Tarantino produziert Keitel dessen "Reservoir Dogs - Wilde Hunde" (1992) und spielt auch mal in kleineren europäischen Produktionen mit. 1994 ist er als Winston Wolf in Tarantino's Kultfilm "Pulp Fiction" zu sehen.

Harvey Keitel (links), John Travolta (Mitte) und Samuel L. Jackson (rechts) in "Pulp Fiction" (1994).

Harvey Keitel mit seiner Frau Daphna Kastner und seinem Sohn.

Quelle: Imago Stock&People

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Über sein Privatleben schweigt Harvey Keitel meistens. Bekannt ist, dass er seit 2001 mit der kanadischen Schauspielerin Daphna Kastner verheiratet ist. Die beiden haben einen gemeinsamen Sohn.

Regisseur Wes Anderson, Harvey Keitel und seine Frau Daphna Kastner bei der Filmpremiere von "The Grand Budapest Hotel".

Quelle: AFP

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Mit 75 Jahren ist Keitel noch immer dick im Geschäft: Gerade ist er in Wes Andersons britisch-deutscher Filmkomödie "The Grand Budapest Hotel" zu sehen. Auch das nächste Projekt soll der "Method Man" schon in Planung haben: Paolo Sorrentino dreht einen neuen Film ("In the Future"). Und wenn die Gerüchte stimmen, übernimmt Keitel eine der beiden Hauptrollen.

Regisseur Wes Anderson (links), Harvey Keitel (Mitte) und seine Frau Daphna Kastner bei der Filmpremiere von "The Grand Budapest Hotel".

© SZ.de/jobr
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