Rooney Mara:Mädchen von morgen

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Sie hat Scarlett Johansson, Natalie Portman, Ellen Page und Emma Watson ausgebootet: In der US-Neuverfilmung der Stieg-Larsson-Trilogie spielt eine nahezu Unbekannte die Hauptrolle. Doch es gibt auch Zweifel.

Tanja Rest

Man schaue sich dieses Gesicht gut an. Es wird in Kürze ein berühmtes Gesicht sein, doch zum Zeitpunkt der Aufnahme weiß es noch nichts davon.

Actress Rooney Mara is seen in this undated publicity photograph released to Reuters in Los Angeles

"Lisbeth Salander sieht aus wie Audrey Hepburn, allerdings mit Piercings und Tattoos, sie hat die erbarmungslose Härte von Lara Croft und den kühlen, unsentimentalen Intellekt von Mr. Spock." Ganz schön dicke kommt es also jetzt für Rooney Mara.

(Foto: REUTERS)

Das mädchenhaft Zerbrechliche, die großen Augen und fein modellierten Züge erinnern ein wenig an Audrey Hepburn. Davon abgesehen fehlt es diesem Gesicht an allem, was eine A-Schauspielerin in Hollywood auf dem roten Teppich braucht: die kunstvoll aufgeworfenen Gloss-Lippen, die sexy auf Halbmast gesenkten Lider, der Flirt mit der Kamera. Nichts von alledem hier.

Rooney Mara ist ein unbeschriebenes Blatt, auch äußerlich. Das Interessanteste, was über sie zurzeit in Umlauf ist, sind die Namen der anderen: Scarlett Johansson, Natalie Portman, Ellen Page, Emma Watson und viele mehr. Die alle hat sie ausgebootet. Respekt.

Die Rolle ist ein Kracher

In David Finchers US-Verfilmung des ersten Teils der Stieg-Larsson-Trilogie wird Rooney Mara die Figur der Lisbeth Salander spielen. Das Rollenprofil schreibt eine punkige, bisexuelle, computerhackende Anarcho-Superheldin vor, neben der Lara Croft beinahe altbacken wirkt.

Präzise gesagt: "Lisbeth Salander sieht aus wie Audrey Hepburn, allerdings mit Piercings und Tattoos, sie hat die erbarmungslose Härte von Lara Croft und den kühlen, unsentimentalen Intellekt von Mr. Spock." So hat es Sony Pictures, als die Personalie bekannt wurde, in einer Pressemitteilung formuliert.

Die Rolle, das muss man zugeben, ist ein Kracher, wie er nicht alle Jahre kommt. Eine Schauspielerin kann als Lisbeth alles zeigen, was sie drauf hat: ihre Power, ihre Verletzlichkeit, ihre Wandelbarkeit, die Fähigkeit, quasi im Alleingang einen ganzen Film zu tragen - ihr Star-Potential also. Entsprechend groß war die Nachfrage bei Hollywoods erster Garde.

Die New York Post hat das Rennen schon mit dem Casting-Prozess für Scarlett O'Hara in "Vom Winde verweht" verglichen: Damals traten Lucille Ball und Bette Davis gegeneinander an, lachende Dritte war dann die noch weitgehend unbekannte Vivien Leigh.

Scarlett Johansson, bis zuletzt heiß gehandelt, scheiterte ausgerechnet an ihren Kurven. Die schwedische Romanvorlage beschreibt Lisbeth als "dünn" und "flach wie ein Brett", und das kann man von Woody Allens Sirene wahrlich nicht behaupten. Am Ende dürfte Rooney Mara auch davon profitiert haben, dass sie gerade einen Film mit David Fincher abgedreht hat: "The Social Network" über die Gründer von Facebook soll im Oktober in die Kinos kommen.

Die Verwirrung über Maras Nominierung war vergangene Woche so groß, dass eine amerikanische Branchen-Webseite aus Versehen ihre ältere, als Schauspielerin bereits etablierte Schwester abbildete (Kate Mara) und andere nicht mal ihr Alter genau nennen konnten: 24 Jahre - oder älter? (Die Wahrheit ist 25.) In der Zwischenzeit aber ist doch das eine oder andere durchgesickert.

Freddy und andere Scheusale

Natürlich wird "die großartigste Rolle für eine junge Frau seit ich-weiß-nicht-wann", so Sony-Chefin Amy Pascal, nicht von einer totalen Anfängerin gespielt. Rooney Mara ist in den Fernsehserien "Law & Order" und "Emergency Room" aufgetreten, in der Neuverfilmung von "A Nightmare on Elm Street" war sie in diesem Jahr auf der Flucht vor Freddy Krueger.

Und wenn über ihr Privatleben auch nicht viel mehr bekannt ist, als dass sie sich für ein Entwicklungshilfeprojekt in Kenia engagiert, so hat sie doch immerhin schillernde Vorfahren: Zwei ihrer Urgroßväter haben einen Football-Club gegründet, der eine die Pittsburgh Steelers, der andere die New York Giants. Das hat die amerikanische Klatschpresse dann doch ein paar Tage bei Laune gehalten.

Einen Haken gibt es allerdings, für Sony Pictures und ganz besonders für Rooney Mara: Stieg Larssons Krimi-Trilogie ist bereits verfilmt worden, von den Schweden; mit mehr als 200 Millionen Dollar Umsatz waren die drei Filme im vergangenen Jahr auch im Ausland ein Kassenerfolg. Ob das amerikanische Remake die Zuschauer im Dezember 2011 ein zweites Mal für die Geschichte begeistern kann, gilt als ungewiss.

Womöglich noch schwerer wiegt, dass die Rolle der Lisbeth von der Schwedin Noomi Rapace mit einer solch gnadenlosen Wucht verkörpert wurde, dass die Latte inzwischen ziemlich hoch liegt.

Bei der Besetzung von "The Girl with the Dragon Tattoo", so der englische Titel, hat David Fincher ansonsten nichts anbrennen lassen: "Bond" Daniel Craig spielt den Journalisten Mikael Blomkvist, Robin Wright die Millenium-Chefredakteurin Erika Berger. Im September sollen in Schweden die Dreharbeiten beginnen. Für Rooney Mara war die Begegnung mit Freddy Krueger gewiss keine schlechte Übung: Als Lisbeth kommen noch ganz andere Scheusale auf sie zu.

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