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Literatur:Dramatiker Rolf Hochhuth ist tot

Rolf Hochhuth

Der Dramatiker Rolf Hochhuth im Jahr 2009.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mit seinem Stück "Der Stellvertreter" über die Rolle der katholischen Kirche im Holocaust löste Hochhuth 1963 eine heftige Kontroverse aus. Nun ist der Autor im Alter von 89 gestorben.

Der Schriftsteller und Dramatiker Rolf Hochhuth ist tot. Hochhuth starb am Mittwoch im Alter von 89 Jahren in Berlin, wie sein Herausgeber Gert Ueding der Deutschen Presseagentur am Donnerstag mitteilte.

Hochhuth war einer der erfolgreichsten und umstrittensten deutschen Dramatiker der Nachkriegszeit und gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des dokumentarischen Theaters.

Hochhuth, geboren im hessischen Eschwege als Sohn eines Schuhfabrikanten, arbeitete zunächst als Lektor bei Bertelsmann, bevor er 1963 den Schritt zum freien Autor wagte. Bereits sein erstes Theaterstück, "Der Stellvertreter", wurde noch im selben Jahr zu einem enormen Erfolg. Inszeniert von Erwin Piscator an der Berliner Freien Volksbühne, löste die Uraufführung des Stücks heftige Auseinandersetzungen und öffentliche Proteste aus. Hochhuth fragte in dem Text, ob Papst Pius XII. und die katholische Kirche durch Schweigen eine Mitschuld an der Vernichtung der Juden durch das NS-Regime treffe.

Auch in anderen Stücken wie "Soldaten, Nekrolog auf Genf" über den englischen Premier Winston Churchill, "Unbefleckte Empfängnis", "Wessis in Weimar" oder "McKinsey kommt" über Massenentlassungen bezog er zu gesellschaftspolitischen Themen Stellung. Seine Recherchen zu dem Stück "Juristen" über die Rolle früherer Nazi-Richter in der Bundesrepublik führten 1978 zum Rücktritt des damaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten und früheren Marinerichters Hans Filbinger.

Im Laufe seines jahrzehntelangen Schaffens veröffentlichte Hochhuth auch zahlreiche Erzählungen, Essays und Gedichte. Die deutsche Vergangenheit blieb dabei sein bestimmendes Lebensthema. "Der Holocaust kann nie vergeben und vergessen werden", sagte er einmal.

© SZ.de/dpa/luch
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