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Residenztheater:In Becks Team sind viele Frauen

Andererseits tat Andreas Beck am Dienstag auf einer Bilanz-Pressekonferenz kund, dass er nach 2020 am Theater Basel nicht mehr zur Verfügung stehe. Heißt: Er wird seinen Vertrag, der bis 2020 geht, trotz Zuschauer- und Auslastungserfolgen nicht verlängern. Beck sagte, er wolle dies rechtzeitig mitteilen, weil der Planungsvorlauf im Musiktheater mindestens zwei Jahre beträgt. Die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger sollte jetzt beginnen können, "um das Haus sorgfältig zu übergeben". Die Nachricht löste Überraschung und Bedauern, ja teils Entsetzen aus - über die Belegschaft heißt es, sie sei "in Schockstarre" - und befördert Spekulationen über Becks Zukunft. Zwar braucht das Residenztheater schon 2019 einen Intendanten, und Becks Vertrag geht bis 2020. Aber solche Dinge lassen sich bekanntlich regeln.

Schweizer Medien verspotteten das Theater Basel als "Bastelklub"

Becks Weggang ist für das Theater Basel schlecht. Nicht nur, weil es für ein Mehrspartenhaus ausgesprochen knapp wird, bis 2020 - oder gar bis 2019 - eine neue Intendanz aufzustellen. Sondern vor allem, weil Beck in Basel wirklich gute Arbeit geleistet und ein starkes Ensemble gebildet hat. Die Leitung des Schauspiels übernahm er selbst, für die Oper holte er eine Frau, die Amerikanerin Laura Berman. Überhaupt arbeiten viele Frauen in Becks Team. Als Hausregisseure engagierte Beck den Schweizer Thom Luz, die Österreicherin Nora Schlocker, die Deutsche Julia Hölscher und den in Basel geborenen Australier Simon Stone, um den sich alle reißen.

Dümpelte das Haus zuvor krisenbeladen dahin, von der Neuen Zürcher Zeitung als "Bastelklub" verspottet, verfolgte es unter Beck dezidiert eine "Basler Dramaturgie" und hatte plötzlich auch überregional Erfolg. So wurden Simon Stones gefeierte Theaterüberschreibungen "John Gabriel Borkman" (als Koproduktion mit dem Burgtheater Wien) und "Drei Schwestern" zum Berliner Theatertreffen eingeladen, und die ehrgeizige Inszenierung des "Donnerstag" aus dem Opernzyklus "Licht" von Karlheinz Stockhausen, gestemmt von der jungen Lydia Steier, wurde in der Zeitschrift Opernwelt zur Aufführung des Jahres 2016 gewählt. In der Saisonbilanz 2016/17 der Deutschen Bühne erreichte das Theater Basel in der Kategorie "Beste Gesamtleistung" sogar Platz 1. Als Gründe wurden die "stilbildenden Impulse für das Schauspiel" sowie die "ungemein kluge Vernetzung von Schauspiel- und Musiktheaterregisseuren" genannt. Auch Ulrich Rasches soghafter "Woyzeck" auf einer spektakulären Scheiben-Bühne und Ewald Palmetshofers Neubearbeitung von Gerhart Hauptmanns Sozialdrama "Vor Sonnenaufgang" in Nora Schlockers Regie haben zuletzt wieder gezeigt, was man in Basel alles wagt und kann. Das Schauspiel macht an dem Haus längst wieder was her und zieht das Publikum an: Im Vergleich zur ersten Saison kamen 11 000 Zuschauer mehr.

Aus all diesen Gründen, aber vor allem weil er das Theater radikal zeitgenössisch und mit Gespür für die Fragen der Zukunft denkt, ohne dafür das Erzähltheater aufzugeben und ohne das Ensemble- und Repertoiresystem infrage zu stellen, wäre Beck für München ein Gewinn. Gerade als Gegenspieler zu Matthias Lilienthal an den Kammerspielen, dem Martin Kušej viel zu wenig Aufregendes entgegensetzt. Dass auch Barbara Frey, die Noch-Intendantin des Schauspielhauses Zürich, fürs Residenztheater gehandelt wird, ist kein Geheimnis. Sie führt selber Regie, vertritt ein solides Stadttheater mit starker Klassiker-Ausrichtung. Sie ist eine Könnerin - und eine Frau. Frauen in Intendantenpositionen sind noch immer viel zu selten. Aber Beck steht für den Aufbruch, Frey eher für den Status quo. Aus inhaltlichen und innovativen Gründen wäre Beck als Resi-Intendant der Vorzug zu geben.

München ist Beck nicht fremd. Er hat hier und in Bologna Kunstgeschichte, Soziologie und Theaterwissenschaft studiert. Und war in den Neunzigern auch schon am Residenztheater tätig: als Dramaturg.

© SZ vom 06.12.2017/cag

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