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Regisseur Florian David Fitz:Gestatten: Heiland

Der beginnt zunächst eher klein, mit einem apokalyptischen Kasperltheater. Der versoffene Pfarrer Gabriel (Henry Hübchen) führt im fleckigen Unterhemd mit selbst gebastelten finsteren Pappfiguren einer entsetzen Grundschulklasse vor, wie sie bald vom Höllenschlund geschluckt werden wird. Aber die dummen Menschen in der sommerlichen Kleinstadt glauben größere Sorgen zu haben als das göttliche Finale. Zum Beispiel die launische Marie (Jessica Schwarz), die, als Pfarrer Gabriel sie gerade trauen will, ihren Bräutigam vor dem Altar stehen lässt - um sich prompt in diesen bärtigen, langhaarigen Mann zu verlieben, der spontan Menschen die Füße wäscht.

Jesus alias Florian David Fitz ist gekommen, um zu prüfen, ob die Menschen für die Apokalypse bereit sind. In vier Tagen steht diese ins Haus. Doch es braucht nicht mal einen Tag Erdanwesenheit, und der Heiland hat die überdrehte Marie am Hals, wird verprügelt und endet betrunken in Pfarrer Gabriels Badewanne. Aber ausgerechnet Jesus? "Natürlich denkst du am Anfang: Oh Mann, Jesus, da kann man so viel falsch machen - und auch so viele Menschen beleidigen, gerade in einer Komödie. Aber diesen Spagat hatte ich bei Vincent mit seiner Behinderung auch schon durchgemacht.

"Ich bin immer gut damit gefahren, dass man als Filmemacher alles behaupten kann, solange man seine Figuren wirklich ernst nimmt." Und so ist sein Jesus ein stoischer Ruhepol geworden, der die Zappelei der Menschheit lächelnd erträgt und sie dadurch noch neurotischer wirken lässt. Nur die Witzbolde am Set waren manchmal nicht leicht zu ertragen, besonders in der Doppelfunktion als Regisseur. "Das war natürlich ein Dauerwitz am Set", sagt Fitz. "'Heiland, könnt Ihr mal kurz kommen?' Oder: 'Herr, seid Ihr mit der Aufnahme zufrieden?'

In Jessica Schwarz, Henry Hübchen, Hannelore Elsner, Nicholas Ofczarek und Michael Gwisdek hatte Fitz gleich ein paar ziemliche Hochkaräter um sich herum zu dirigieren, was ihn erst sehr nervös, dann aber schnell sehr entspannt gemacht hat. Ein Ensemble, das genau seinen Vorstellungen für diesen Film entspricht, der etwas Theatrales haben soll, als Komödie beginnt und schließlich ein Inferno entzündet, emotional wie pyrotechnisch. Denn: "So ein Film soll ja nicht nur Zuckerwatte sein." Aber geht es manchem Regiekollegen in Deutschland nicht hauptsächlich um die Zuckerwatte?

Wenn es ans deutsche Kino geht, wird Fitz sofort leidenschaftlich und lässt die Salatgabel ruhen. Er weiß, wie hypernervös die deutsche Filmbranche auf jeden Flop reagiert. Deshalb muss auch mal Zuckerwattiges erlaubt sein. "Die Filmemacher und die Kritiker können froh sein über jeden deutschen Film, der an der Kinokasse funktioniert, weil er Folgeprojekte ermöglicht, die wiederum insgesamt eine größere Vielfalt bringen. Das vergesse ich ja selber manchmal, wenn man ich denke: Warum ist denn jetzt bitte der Film erfolgreich? Aber eigentlich ist es bescheuert, dass die Leute etwas ausprobieren und dann getreten werden, wenn es nicht funktioniert - und erst recht getreten werden, wenn es funktioniert."

Moden will er trotzdem nicht hinterherrennen. Es hätte ja auf der Hand gelegen, eine Komödie, die sich mit den Wirren des Katholizismus beschäftigt, ins bayrische Hinterland zu verlegen, als Dialekt-Slapstick. Aber wie viele Münchner fühlt Fitz sich im bayrischen Dialekt nicht sonderlich zu Hause, und der unermüdliche Mundart-Kollege Marcus H. Rosenmüller lässt neben sich nicht viel Platz. "Jesus liebt mich" sollte weder eine Provinzposse noch eine Abrechnung mit Religion werden, mit der Fitz privat ohnehin wenig am Hut hat. Sondern: "Eine lustige Auseinandersetzung mit den religiösen Klischees, die wir im Kopf haben - deshalb soll Jesus bei uns auch so aussehen, wie man ihn sich eben vorstellt, mit seinen langen Haaren."

Ein relaxter Fitz

Insgesamt wirkt Fitz so relaxt, dass man ihm seine beiläufige Zukunftsplanung einfach glauben muss. Er ist stolz auf den Film, aber er will nicht, dass er einen zu großen Platz in seinem Leben beansprucht. "Man muss eine gute Balance finden - zwischen wichtig genug und zu wichtig."

Und im Januar geht es dann weiter, wie beim Straßenkehrer in "Momo", Zug um Zug. Erst mal wieder mit Henry Hübchen: In "Da geht noch was!" spielen sie Vater und Sohn, Fitz ist Ko-Autor, sein drittes Buch. Auch mit dem Herzensbrecher-Kollegen Matthias Schweighöfer brütet er über einer gemeinsamen Idee.

Und die nächste Regie? Da grinst er pragmatisch. "Die Frage ist natürlich, ob mich noch mal jemand lässt! Im Schneideraum kann man viel machen - doch ob ein Film am Ende einen Zauber hat, das kannst du auch als Regisseur nur bedingt beeinflussen. Aber das ist ja auch das Aufregende am Filmemachen, dass es da so einige unberechenbare Sachen gibt."