Rassismus-Verdacht im Ballett:Die Farbe des Schwans

Christiane Theobald

Versucht eine Aufarbeitung: Christine Theobald, Interimschefin an Deutschlands größter Ballettkompanie.

(Foto: OH)

Chloé Lopes Gomes war die erste schwarze Ballerina des Staatsballetts Berlin. Sie erhebt schwere Vorwürfe gegen die Kompanie.

Von Dorion Weickmann

Eine Tänzerin des Berliner Staatsballetts erhebt schwere Vorwürfe gegen eine Ballettmeisterin der Kompanie. Wie der Spiegel berichtet, ist Chloé Lopes Gomes, 29, von ihrer Trainingsleiterin mehrfach verbal attackiert und dazu aufgefordert worden, sich für "Schwanensee"-Vorstellungen weiß zu schminken.

Vor zwei Jahren wurde die Französin Lopes Gomes im Staatsballett Berlin aufgenommen, als erste schwarze Ballerina. Dort habe sie in den Proben rassistische Kommentare von der Tanzleiterin zu hören bekommen und den Eindruck gewonnen dass man besonders auf sie schaue, weil sie schwarz sei. Die Ballettmeisterin will sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

Dem Bericht nach gibt es weitere Fälle, etwa einen Ballettmeister, der schwule Tänzer als "Diven" tituliert habe. Die Vorkommnisse haben sich unter der inzwischen beendeten Direktion von Johannes Öhman und Sasha Waltz zugetragen. Gegenmaßnahmen wurden demnach nicht ergriffen. Nachdem ihr Vertrag nicht verlängert wurde und sie Ende der Spielzeit das Haus verlassen muss, hat Lopes Gomes nun ihr Schweigen gebrochen.

Der Fall könnte Konsequenzen für die gesamte Tanzszene haben

Die Interims-Intendantin Christiane Theobald sagte der SZ am Freitag, sie empfinde das Geschehene als "schockierend". Sie habe unverzüglich die Senatsverwaltung für Kultur informiert und eine Aufklärungs-, Informations- und Präventionskampagne für die gesamte Kompanie gestartet. Mithilfe der Organisation "Diversity Arts Culture" soll das Bewusstsein für Rassismus geschärft und ein Zukunftskonzept verabschiedet werden.

Nach Ansicht der Organisation "Dancersconnect" hat der Fall weit über Berlin hinaus Bedeutung. Friedrich Pohl, Vorstandsmitglied des Tänzernetzwerks, sieht die Chance, eine verbindliche Linie für die gesamte Tanzszene zu entwickeln: "Es ist an der Zeit, einen Code of Conduct aufzustellen, der alle Arten von Diskriminierung ächtet und Bestandteil sämtlicher Arbeitsverträge wird."

© SZ
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