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Cannes-Programm 2012:Unpünktliche Amerikaner, ernste Europäer

Wenn am 16. Mai das Filmfestival von Cannes startet, wird ein großes Thema die Liebe sein - ob im Zusammenhang mit Demenz und Tod oder in abgründigen Konstellationen wie weiblichem Sextourismus. Zwei mit Spannung erwartete Filme wurden allerdings nicht rechtzeitig fertig. Ein erster Blick in das Programm.

Viel Ernstes aus Europa, zwei unpünktliche Amerikaner und ein Triumph österreichischer Filmemacher - das zeigt ein Blick ins Programm von Cannes, das Festivalleiter Thierry Frémaux in Paris vorstellte. Die neuen, mit Spannung erwarteten Filme von Terrence Malick und Paul Thomas Anderson seien leider nicht fertig geworden, erklärte er, und auch Woody Allen habe noch nicht geliefert - der könne aber nachnominiert werden.

Marilyn Monroe ziert das offizielle Plakat des diesjährigen Festivals von Cannes.

Marilyn Monroe ziert das offizielle Plakat des Festivals von Cannes 2012.

(Foto: AFP)

Pünktlich waren dagegen eine Reihe anderer Cannes-Stammgäste, die nun im Wettbewerb antreten: Jacques Audiard, Leos Carax, Ken Loach, David Cronenberg und Matteo Garrone sind dabei, ebenso Abbas Kiarostami, Walter Salles, Cristian Mungiu und Thomas Vinterberg.

Der bald 90-jährige Nouvelle-Vague-Veteran Alain Resnais kämpft ebenso um die Goldene Palme wie Wes Anderson mit seinem Eröffnungsfilm "Moonrise Kingdom", und als Würdigung des jüngst verstorbenen Claude Miller läuft dessen gerade noch vollendeter "Thérèse Desqueyroux" als Abschlussfilm.

Mit Michael Haneke ("Amour") und Ulrich Seidl ("Paradies: Liebe") mischen gleich zwei Österreicher im Wettbewerb mit, beide erzählen von der Liebe. Nach dem mit der Goldenen Palme ausgezeichneten "Weißen Band" hat Haneke wieder auf Französisch gedreht, mit Jean-Louis Trintignant, Emmanuelle Riva und Isabelle Huppert - es geht um die Liebe der letzten Jahre, bedroht von Demenz und Tod; Ulrich Seidl untersucht wie so oft abgründige Konstellationen, mit weiblichem Sextourismus in Kenia und der Verführung Minderjähriger daheim. Cannes-Liebling Fatih Akin aus Deutschland ist immerhin mit seiner Türkei-Doku "Der Müll im Garten Eden" präsent.

Wie sehr Cannes insgesamt ein voraussehbares Familientreffen des Autorenfilms ist, zeigten Blogger Anfang April: Sie hatten vorab im Scherz ein gefälschtes Wettbewerbsprogramm gepostet. Nun können sie sich (zählt man die Nebenreihe "Un Certain Regard" mit) über zehn Richtige in ihren Voraussagen freuen.

© SZ vom 20.04.2012/ihe

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