Plattenkabinett Mogwai - Rave Tapes

"Das WC, das Sie mit Wasser reinigt." Ein Satz, wie eine richtig miese Krankheit. Es gibt wenig schlimmere Sätze. Warum? Es hat wohl was mit dem Zusammenspiel von Banalität und Intimität zu tun. Der Satz ist jedenfalls so schlimm, dass er, zum falschen Zeitpunkt zu Gehör gebracht, schwerwiegende Folgen haben kann. Wenn er zum Beispiel in dem Moment fällt, da gerade das neue Mogwai Album "Rave Tapes" läuft.

Genau das ist mir beim Hören des Albums passiert. Irgendein saudummer Zufall! Zu viele Browser-Fenster am Computer offen und in irgendeinem läuft dann diese Werbung und irgendjemand sagt mit einer dieser sehr gereinigten Werbe-Stimmen: "Das WC, das Sie mit Wasser reinigt", während Mogwai gerade ...

Es ist schrecklich. Denn der Satz wird jetzt für immer mit dieser Platte verbunden sein. Warum? Es hat wohl etwas mit dem Zusammenspiel von Banalität und Intimität zu tun. Das beherrschen Mogwai, bandgewordenes schottisches Denkmal, wie wenige andere Gruppen - womit ihre Musik die größtmögliche Distanz zum WC-Satz aufweist. Legt man jetzt beides übereinander, klingt das Ergebnis unerträglich.

Was allerdings sowohl der WC-Satz als auch "Rave Tapes" beweisen: Worte sind nicht die einzig denkbare Form von Intelligenz. Mogwai verzichten auf ihrem achten Studioalbum wieder weitgehend darauf. Das Album, erschienen auf dem bandeigenen Label "Rock Action", klingt dabei runder, weicher, bildmächtiger als die Vorgängerplatten. Die Musik fließt, quillt auf und fällt wieder in sich zusammen. Pulsierende Soundflächen, oft elektronisch erzeugt, komplexe musikalische Texturen. Und darüber, meist zurückhaltend, aber immer effektvoll: die Gitarre. "Rave Tapes" ist ein Soundtrack für den Zustand zwischen Leben und Traum. Das Album kann aber auch schlicht die akustische Gleitcreme für den sonntäglichen Putznachmittag mit anschließend Kaffee und Kuchen sein. Das geht, weil der Musik zwar volle Aufmerksamkeit nicht schadet, sie braucht sie aber nicht. Für Art-Rock nicht selbstverständlich, finden Mogwai die Balance: Nicht zu viel Leidenschaft, aber auch nicht zu wenig. Sinn für das Wichtige. Sinn für das Richtige.

Wenn nur nicht im Hintergrund ständig die Klospülung liefe.

Wäre das Album ein Schauspieler, es wäre Daniel Day-Lewis.

Am besten hört man das Album in der Nacht auf einem verlassenen Highway.

Wenn das Album ein Getränk wäre, es wäre 30 Jahre alter schottischer Whiskey.

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