Plattenkabinett Positiv

Ann Kristin Beelitz von der Reggae-Band Wood In Di Fire.

Zu jeder exzellenten Musikmischung gehören Reggae, düstere Postrocker und wütende Boybands. Können wir gerade nicht mit dienen? Haben wir nicht auf Lager? Doch haben wir. Mit: Wood In Di Fire, The Winchester Club und The Orwells, im "Plattenkabinett", der Musik-Kolumne von SZ.de.

Von Bernd Graff

Es wird ja höchste Zeit, mal auf den deutschen Reggae-Markt zu schauen. Mal sehen, was die einheimischen Rastas da so machen. Da gibt es etwa eine Berliner Formation, seit 14 Jahren gibt es sie schon, die es zu ihren Plattenproduktionen auch gern mal ins Uckermärkische gezogen hat, weil dort die Scheunen zum Aufnehmen billiger zu mieten sind, oder, weil das Wort Uckermark fast so schön klingt wie das Wort Rastafari. Die Band heißt Wood In Di Fire, was jetzt kein Vertipper ist, auch kein Verdreher von "Fire in di Wood". Nein, die heißen wirklich so, und sie sind elf (manchmal auch mehr) Musiker, die sich dem Jamaican Jazz verschrieben haben und wenigstens einmal im Monat (für 5 Euro Eintritt) im Berliner Mitte-Club "Schokoladen" (Ackerstraße 169) auftreten. Hier gibt es zwei Videos von ihren Auftritten dort: Hier und hier.

Gerade haben sie über die Crowdfunding-Plattform Startnext etwas mehr als 2000 Euro für die Finanzierung ihrer neuesten Platte "Upheaval" zusammengebracht. Annonciert als "ein Bandprojekt, bei dem es auf jeden Fall nicht ums Geld geht".

Es ist ihr erstes Rein-Studio-Album, auch daher rührt der Titel, der soviel wie "Umbruch" bedeutet.

Zu dem Crowdfunding ist ein Vorstellungsvideo entstanden, das verschlurfter und verkiffter, geldwurschtiger und ungepflegter daherkommt, als die Band tatsächlich in Wahrheit ist. Klar ist man bei dem Sound sehr, sehr lässig und gechillt, aber das hier ist eine gekonnte Lieferung, eine prima aufeinander abgestimmte, zielstrebig disziplinierte Musik. Fast schon professionell orchestral, wenn diese Bezeichnung in ihrem Metier keine Beleidigung darstellt. Wer also bei Reggae und Rasta immer nun an so etwas wie das hier denkt, sieht sich bei Wood in di Fire gründlich getäuscht: Die Leute sind sehr melodiös, stimmmächtig, die können wirklich was an Schlagzeug, Bass, Gitarre, Keyboard/Orgel, Gesang, Saxophon und Posaune. Selbst, wer Reggae nicht so mag, kann hier mit Gewinn reinhören. DAS ist eine nicht zu unterschätzende Leistung.

"Upheaval" ist noch nicht bei Spotify, aber die Vorgänger-Alben sind zu hören. Man stelle sich also vor, dass die neue Platte noch professioneller gemacht ist, noch weiträumiger im musikalischen Spektrum ist. Hören - oder noch besser: Am 13. Juni ins "Schokoladen"! Dann treten sie dort wieder auf. Rastaman Vibration. Positive!

Wenn diese Platte eine Süßigkeit wäre, wäre sie ein Überraschungsei.

Derjenige, der die Platte empfehlen würde, könnte Paul Breitner sein.

Wäre die Platte eine Bundesliga-Mannschaft, wäre sie: Borussia Mönchengladbach.

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