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Plattenkabinett:Blues Pills - Blues Pills

Modern ist an diesem Album so rein gar nichts. Digitale Produktion, Autotune? Fehlanzeige. Das Cover: ein psychedelischer Farbenmix, der vom Ansehen schon high macht. Die dazugehörige Band sieht aus, als sei sie direkt aus der Zeitmaschine gestiegen. Letzter Halt: Woodstock, 1969. Und während das Fernsehen und die Mode uns weiß machen wollen, dass die 90er Jahre zurück sind, orientiert sich der Rock'n'Roll der Gegenwart vor allem an der etwas früheren Vergangenheit mit ihren Schlaghosen, Schnurrbärten und langen Haaren. Kadavar, Graveyard, Horisont, Witchcraft - die Liste von Bands, die die Musik ihrer Eltern wiederaufleben lassen, ist mittlerweile lang. Gerne gesehen sind auch von Frauen angeführte Bands wie "The Devils Blood" oder "Spiders".

In diese Reihe gesellt sich nun das Multikulti-Quartett Blues Pills. Gitarrist Dorian Sorriaux ist aus Frankreich, Sängerin Elin Larsson aus Schweden, Zack Anderson und Cory Berry aus den USA. Bereits zwei Jahre nach ihrer Gründung nahm der deutsche Branchenriese Nuclear Blast sie unter Vertrag.

Als Larssons Stimme sich nach ein paar Sekunden zum ersten Mal heraufschraubt, ist das eine Offenbarung. Schnell fällt einem der schreckliche Begriff "Powerröhre" ein. Aber der bringt es tatsächlich so ziemlich auf den Punkt: Das klingt nach Aretha Franklin und Beth Ditto, ohne den nervigen Drang zu übertreiben. Oder für die Zuseher der RTL Chartshow da draußen: Pink mit richtigen Gitarren.

Natürlich erfinden Blues Pills den Rock'n'Roll nicht neu. Die ersten Titel klingen klar nach den späten 60er Jahren und den damals üblichen Blueseinlagen. So wie Fleetwood Mac während ihrer Zeit mit Peter Green. Nicht herausragend, aber solide. Interessant wird es, wenn die Blues Pills das Tempo herunterfahren und tatsächlich Blues spielen. "Black Smoke" klingt in der ersten Hälfte etwa wie ZZ Tops "Blue Jean Blues". Ganz ruhig wird es in "No Hope Left For Me" und "Little Sun". Das gibt Raum für Larssons Stimme und man sieht sie förmlich vor sich, wie sie mit ausgebreiteten Armen im Blumenkleidchen über die Bühne schwebt. Oder vielleicht war das doch Grace Slick von Jefferson Airplane beim Monterey Festival 1967? Letzten Endes ist das vollkommen egal. Blues Pills sind zwar in keiner Weise innovativ - aber sie klingen authentischer nach den 60ern und 70ern als die Originale heute.

Wo hört man das Album am besten? In einem bunt angemalten VW-Bus. Davon gibt es tatsächlich noch ein paar.

Dieses Lied muss auf mein nächstes Mixtape drauf: "Devil Man"

Wer dieses Album hört, geht auch... zu Black Sabbath. Da kann man nie etwas verkehrt machen.

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