Oper:Konzertant: "Das schlaue Füchslein"

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Leoš Janáčeks Oper war in München erstmals im tschech­ischen Original zu hören, gespielt vom BR-Orchester.

Von Michael Stallknecht

Das "Ideal einer modernen Frau" nennt der verliebte Fuchs seine Füchsin bewundernd - und bietet ihr erst einmal eine Zigarette an. Ganz gemäß dem Geist des in einer Tageszeitung erschienenen "Comicstrips", dem der Komponist Leoš Janáček den Stoff für seine 1924 uraufgeführte Oper entnahm. Erst in der Übersetzung von Max Brod wurde aus den "Abenteuern der Füchsin Bystroušky" der etwas neckische deutsche Titel "Das schlaue Füchslein". Umso schöner, dass die Oper nun in München erstmals im tschechischen Original zu hören war, wenn auch nur in einer konzertanten Aufführung im Gasteig. Martina Janková zeichnet in der Titelpartie tatsächlich eine moderne, selbstbewusste Frau ohne neckische Klischees. Die Flexibilität, die blitzschnelle Wendigkeit ihres Soprans macht einer "Füchsin Schlaukopf" oder "Füchsin Scharfohr" - so die deutsche Entsprechung des Eigennamens - alle Ehre, während einige Durchschlagskraft bis hinein in die gut fokussierten Höhen das Profil schärft. Männlichen Institutionen wie dem Hahn oder dem Dachs begegnet sie mit viel Spott, während der respektvoll werbende Fuchs sein Glück macht, was man dank der intensiv leuchtenden Bögen der Mezzosopranistin Jennifer Johnson Cano bestens versteht. Auch die Männer sind gut: Alan Held leiht dem Förster einen warmen und weichen Bariton, Kurt Azesberger zeichnet mit hellem Tenor den Schulmeister sehr pointiert und Markus Eiche bringt schließlich auch die roheren Baritonfarben mit für den Wilderer, der die Füchsin am Ende erschießt.

Überzeugend ist der Zug, den die Aufführung hat

Da trauert der ganze Wald - und man würde im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks gern noch etwas mehr hören von der Wehmut, mit der Janáček den Stoff als Symbol für den ewigen Kreislauf des Lebens deutete. Doch Wehmut, überhaupt die Momente der Verinnerlichung, gehören nicht zu den größten Stärken des Dirigenten Franz Welser-Möst. Der Österreicher mag es kraftvoll und zupackend, das Wirtshaustreiben und die Liebesekstase sind seine Sache, die Geheimnisse des Waldes eher nicht. Vielleicht fehlt es dafür auch den BR-Symphonikern an der atmosphärischen Fantasie eines Opernorchesters.

Überzeugend aber ist, welchen Zug Welser-Möst in die Aufführung bringt. Er hat schon Erfahrung mit dem Stück gesammelt hat, zuletzt in einer halbkonzertanten Fassung mit animierten Videobildern. Schade, dass der Bayerische Rundfunk nicht auf die Idee kam, diese noch im vergangenen Herbst in Wien gezeigte Produktion gleich mit einzuladen. Die spielfreudig gackernden Hennen aus den Reihen des BR-Chors und die flinken kleinen Füchse aus dem Kinderchor der Bayerischen Staatsoper hätte man sich durchaus gut auch in Aktion vorstellen können.

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