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"Offroad" im Kino:Ab in die Kiesgrube

Nora Tschirner ist zurück auf der Leinwand. In "Offroad" spielt sie mit forscher Naivität die Landpomeranze Meike, die sich einen fetten, amerikanischen Jeep mit vulgären Büffelhörnern auf der Motorhaube ersteigert und anschließend ans Drogendealen in der Großstadt heranwagt. Es ist ein leidlich komischer Mix aus Roadmovie und Gangsterklamotte, der mit holpriger Mechanik Richtung Hauptstadt strebt.

Anke Sterneborg

"Soll das wirklich schon alles sein?", fragt sich Meike Pelzer: Mit gerade mal dreißig Jahren ist ihr Leben im Kleinstadt-Reihenhaus, als Juniorchefin des väterlichen Betriebs für Grasauffangsäcke von Rasenmähern und zukünftige Ehefrau eines biederen Langweilers, bereits auf Kurs in die ewige Überraschungslosigkeit.

Offroad-Autor und -Regisseur Elmar Fischer weiß, wovon er spricht, denn er ist selbst in dem kleinen Städtchen Geilenkirchen geboren, in dem die Ereignisse ihren Lauf nehmen. Der Höhepunkt des gesellschaftlichen Lebens ist hier ein kleiner Bierrausch beim Schützenfest - was die Kleinstadt eben so hergibt.

Vor lauter Lust auf größere Abenteuer bietet Meike, gespielt von Nora Tschirner, trotzig bei der Polizeiversteigerung auf einen fetten, amerikanischen Jeep mit vulgären Büffelhörnern auf der Motorhaube. Sie fährt dann aber nicht, wie sie es sich eigentlich erträumt hatte, in ferne Wüsten, sondern bloß zur nächsten Kiesgrube.

Das Drehbuch muss ihr also doch noch einiges anderes zumuten, um sie vom Weg abzubringen. Also los: Sie erwischt ihren Freund beim Seitensprung, und dann findet sie unter der Abdeckplatte des Kofferraums 50 Kilo Kokain. So setzt sich die holprige Mechanik der Ereignisse in Gang, ein leidlich komischer Mix aus Roadmovie und Gangsterklamotte strebt Richtung Hauptstadt, für ein wenig Multikulti-Romantik sorgt der sympathische Deutschtürke Salim.

Tölpelhaft groteske Möchtegerngangster

Von der Feinfühligkeit, mit der Elmar Fischer in seinem Spielfilmdebüt Fremder Freund das Klima des Misstrauens in einer deutsch-islamischen Freundschaft unter dem Eindruck der Anschläge des 11. September auslotete, ist hier nur noch wenig zu spüren. Während sich Meike mit der forschen Naivität einer Landpomeranze ans Drogendealen in der Großstadt heranwagt, versuchen drei tölpelhafte, grotesk chargierende Möchtegerngangster ihr die Ware abzujagen.

Offroad wäre ein ausgesprochen unerfreulicher Rückfall in deutsche Komödien-Ödnis, wären da nicht seine Hauptdarsteller: Nora Tschirner und Elyas M'Barek (der aus der Fernsehserie "Türkisch für Anfänger" bekannt ist) mit seinem sinnlichen Charme. Wenn Nora Tschirner Meike die Dinge frech und unverblümt beim Namen nennen lässt, mit entwaffnender Natürlichkeit, dann verzeiht man diesem Film einige Klischees und Ungereimtheiten.

OFFROAD, D 2011 - Regie: Elmar Fischer. Buch: E. Fischer und Susanne Hertel. Kamera: Philipp Kirsamer, Fabian Rösler. Schnitt. Karen Karmaschek, Eva López Echegoyen. Mit: Nora Tschirner, Elyas M'Barek, Maximilian von Pufendorf, Dominic Raacke, Leslie Malton, Tonio Arango, Thomas Fränzel, Stefan Rudolf, Axel Milberg. Paramount Pictures Germany, 98 Minuten.

© SZ vom 12.01.2012/rela/pak
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