bedeckt München 11°
vgwortpixel

Neues Album von Miley Cyrus:Bloß nicht sein wie Taylor Swift

Miley Cyrus verabschiedet sich mit ihrer neuen Platte in ihre ganz eigene Welt. Dort ist die Erotik so subtil wie ein Wink mit dem Holzdildo. Und das schönste Liebeslied gilt einem Kugelfisch.

Nein, Miley Cyrus ist diesmal nicht nackt. Wenn man denn das Regenbogenhandtuch, die Luftmatratze, die Schnürsenkel oder auch die Frischhaltefolie mit Riesensmarties, in denen sie gerade die Video Music Awards moderiert hat, als Kleidung durchgehen lässt. Sie steht auf der Bühne und präsentiert ihre neue Single "Dooo it". Und ja, das ist durchaus eine Erwähnung wert, denn das klingt anders als alles, was man sonst von ihr kennt. Auf ein paar Hip-Hop-Beats singt sie mit verzerrter Stimme: "Ich liebe Gras, ich liebe Frieden, aber ich geb' einen Scheiß drauf, ich bin kein Hippie". Dann mäht ein Synth-Bass den Song nieder, eine Sirene heult und plötzlich ist alles weg. "Ich fühle mich als Teil des Universums", haucht Cyrus schief. Und das gleiche Spiel beginnt von vorn.

Outfits bei den MTV VMAs

Was uns Miley Cyrus sagen möchte

Für einen der größten Mainstream-Popstars der Gegenwart ist das durchaus ein Wagnis. Aufsehen erregte Cyrus in der Vergangenheit mehr durch ihre offen zur Schau gestellte Sexualität als durch ihre Musik. Über Monate hielt sie jeder Kamera ihre Zunge entgegen, ihren nackten Brüsten konnte niemand mit einem Internetzugang entkommen. Im prüden Amerika ist das auch nach 30 Jahren Madonna immer noch ein Affront. Gerade von einem einst geliebten Kinderstar ("Hannah Montana"), der einen Treuering trug und mit dem ersten Sex bis nach der Eheschließung warten wollte. Glaubt man ihrem neuen Album "Miley Cyrus & Her Dead Petz" (hier der Link zur kompletten Playlist), hat es sich damit definitiv erledigt.

Miley Cyrus ist ihr eigener Gegenentwurf

Sex gibt es dort überall. Egal ob im Video zu "Dooo it", in dem sie sich diverse Flüssigkeiten über das Gesicht gießt oder dem Song "Bang Me Box", in dessen Refrain sie mitteilt, dass man doch "hart und schmutzig" ihre "Box" "bangen" sollte. Erotik, so subtil wie der Wink mit dem Holzdildo.

Das mag auf Dauer ermüdend sein, ist natürlich aber kalkulierte Provokation. Als Kind war Cyrus der perfekt harmlose Popstar. Großgeworden im Disney-Universum, eine septisch cleane Parallelwelt zum Alltag der Amerikaner. Jetzt, mit 22, ist sie ihr eigener Gegenentwurf. Eine Sängerin, die den Nippel in die Prüderie ihrer Heimat bohrt. Nicht nett und adrett wie Taylor Swift, bei der sogar Kritik wie ein Kompliment klingt. Miley Cyrus ist der Star, der bewusst aneckt und viele seiner alten Fans damit vergraulte.

Nur das passende Album fehlte bisher dazu. Sicher, im Video zu "Wrecking Ball" ritt sie nackt auf einer Abrissbirne. Doch die Powerballade hätte auch Bon Jovi gut zu Gesicht gestanden. "Miley Cyrus and Her Dead Petz" ist jetzt der endgültige Befreiungsschlag. 23 Songs, fast 90 Minuten Spielzeit. Ein musikalisches Monstrum. Produziert für gerade einmal 50 000 Dollar, auf eigene Faust an ihrer Plattenfirma RCA Records vorbei. Früher hätte man das ein Doppelalbum genannt, in Zeiten von Spotify und Apple Music ist es eher eine sehr lange Playlist.