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Neuer Pixar-Film im Kino:Einhörner ziehen durch die Straßen und fressen Müll

nullFilmstills "Onward" (Kinostart am 6.3.20); © Disney

Die Brüder Ian und Barley nehmen ihren halben Vater mit auf einen Roadtrip.

(Foto: Disney/Pixar)

"Onward - Keine halben Sachen" konfrontiert Fabelwesen mit den Problemen der Moderne - und schickt zwei Elfenbrüder auf eine große Abenteuerreise.

Von Josef Grübl

Ausgerechnet wenn es um Fantasy geht, mangelt es Filmemachern derzeit an Fantasie: Überall dieselben Elfen, Feen, Trolle und Einhörner, überall dieselben Referenzen zu J.R.R. Tolkien, J.K. Rowling oder C.S. Lewis.

Auch der Animationsfilm "Onward - Keine halben Sachen" beginnt mit Figuren aus dem Stammrepertoire. Dann aber hält der technische Fortschritt Einzug, aus Elfen werden pubertierende Jungs mit Handys, aus Feen Rockerbräute auf fliegenden Harleys. Und die Einhörner ziehen durch die Straßen und fressen Müll. Da es sich um einen Film des Disney-Animationsstudios Pixar handelt, wundert sich darüber aber niemand. Man erwartet das sogar, werden doch in Pixar-Produktionen ständig Mythen auf den Kopf gestellt: siehe die quicklebendige Totenreichrevue "Coco", siehe "Die Unglaublichen" mit einer Undercover lebenden Superheldenfamilie. In "Die Monster Uni" aus dem Jahr 2013 ließ Regisseur Dan Scanlon ein einäugiges Ungeheuer von einer Akademikerkarriere träumen, sieben Jahre später möchte er jetzt das Fantasy-Genre aufmischen.

Er konfrontiert Fabelwesen mit den Problemen des modernen Lebens, mit Verkehrskontrollen, Rollenspielen und schlechten Google-Bewertungen. Im Zentrum der Geschichte stehen die pubertierenden Elfenbrüder Ian und Barley, die mit einem Zauberstab und reichlich Hokuspokus ihren toten Vater herbeizaubern wollen. Da sie aber im digitalen Zeitalter leben, gibt es qualitativ minderwertige Kristallware und die üblichen Übertragungsschwierigkeiten: Der Beam aus dem Jenseits bricht ab und der Papa steht ohne Oberleib da. Um auch den Rest zu Gesicht zu bekommen, müssen Ian und Barley auf große Fahrt gehen, in einem klapprigen Van, den Unterleib des Vaters nehmen sie mit. Solche Heldenreisen sind für Pixar-Filme typisch, die Figuren halten zusammen, erleben Abenteuer, wachsen über sich hinaus. "Onward" feierte vor ein paar Wochen bei der Berlinale Premiere, zwar nicht im Wettbewerb, aber mit großem Brimborium und rotem Teppich am Marlene-Dietrich-Platz.

Bei der Pressekonferenz sagte Regisseur Dan Scanlon, dass es ihm weniger um Fantasy ging, als um seine eigene Biografie: Auch er habe früh seinen Vater verloren, auch er habe sich dessen Stimme immer wieder auf einem alten Kassettenrekorder angehört. Leider habe dieser nicht mehr als "Hello" und "Goodbye" auf Tonband hinterlassen. Da ist der Elfen-Papa im Film vergleichsweise geschwätzig: Die Szene, in der Ian eine mit "Dad" beschriftete Kassette abspielt und sich einen Dialog mit seinem Erzeuger ausdenkt, ist eine der schönsten des Films. Sie erinnert an all die Vatergespräche, die man sich immer vornimmt, dann aber doch nie führt. Aber das kriegen Pixar-Filme ohnehin besser hin als die Produktionen anderer Animationsstudios: Sie sind nicht nur turbulent und lustig, sondern erzählen emotional starke Geschichten. Die Reise der Brüder mag nicht die originellste sein, ans Herz geht sie am Ende aber doch.

Onward, USA 2020 - Regie: Dan Scanlon. Mit den Originalstimmen von: Tom Holland, Chris Pratt, Julia Louis-Dreyfus, Walt Disney, 103 Minuten.

© SZ vom 11.03.2020/khil
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