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"NeinQuarterly" durchlebt die Buchmesse:Am besten gibt man sich asozial

SZ-Kolumnist Nein.Quarterly

(Foto: dpa; Collage Jessy Asmus/SZ.de)

Die Frankfurter Buchmesse ist ein Muss für Autoren, Verlage - und für Eric Jarosiński alias "NeinQuarterly". Heute gibt er zum Abschluss noch ein paar Tipps fürs nächste Jahr.

Die Kolumne von NeinQuarterly zur Frankfurter Buchmesse

Vom Literaturprofessor an der University of Pennsylvania zum hauptberuflichen Twitterer: Als @NeinQuarterly veröffentlicht Eric Jarosiński Aphorismen, Wortwitze und manchmal einfach nur Quatsch. Über deutsche Literatur, Philosophie und das generelle Leiden am Intellektuellendasein. Für die SZ schreibt er während der Frankfurter Buchmesse eine tägliche Kolumne über den großen und kleinen Wahnsinn in den Bücherhallen.

Die Buchmesse geht langsam zu Ende. Zeit also, Bilanz zu ziehen. Hier drei kleine Tipps jeweils für BesucherInnen und AutorInnen, die ich nach der Erfahrung der letzten vier Tage weitergeben kann.

Für BesucherInnen: Scheuen Sie sich nicht, mit ihren LieblingsschriftstellerInnen ins Gespräch zu kommen. Das sind ganz normale, das heißt eitle Menschen, die am liebsten von sich selbst erzählen.

Für AutorInnen: schon mit Beginn der Karierre einige asoziale Neurosen pflegen und diese dezent in Interviews erwähnen beziehungsweise deutlich zeigen. So etwas spricht sich vorzugsweise bei VerlagslektorInnen und RivalInnen herum und auf der Messe lässt man Sie dann vielleicht tatsächlich ab und zu in Ruhe.

Für BesucherInnen: Reden Sie sich nicht ein, dass die Stars der Literaturszene in Luxus schwimmen, während Sie vergeblich versuchen, auf der dünnen Isomatte in der Wohnung Ihrer Frankfurter Freunde zu schlafen. So ein Beruf ist hartes Brot.

Für AutorInnen: Der Edel-Champagner, Jahrgang 1789, der Ihnen im Fünfsternenhotel zur Begrüßung auf Verlagskosten aufs Zimmer gebracht wurde, ist nur zu genießen, wenn er die ideale Trinktemperatur von acht Grad Celsius aufweist. So wie zuhause.

Für BesucherInnen: Lesen Sie möglichst viel über den Tratsch, der sich hinter den Kulissen der Buchmesse abspielt. Das Wissen, das sie so über SchriftstellerInnen erwerben, vermittelt Ihnen neue - meistens bedauernswerte - Einsichten in die neuen - meistens bedauernswerten - Entwicklungen der Kulturszene.

Für AutorInnen: Die Konkurrenzsituation, Ihre Ängste und nicht zuletzt Ihre eigene Eitelkeit werden Sie auf der Buchmesse permanent überfordern. Deshalb gilt: Egal, wie verlockend das Angebot sein mag, merken Sie sich bitte immer eines: Schreiben Sie niemals, also absolut nie, eine kleine tägliche Buchmessen-Kolumne. Denn die ganzen Klischees, die Sie da thematisieren werden, sind dem Publikum schon hinreichend bekannt. Außerdem haben Sie bereits ausreichend viele Feinde unter den sogenannten Freunden und Fachleuten. Und glauben Sie mir: Nach einem langen Messe-Tag bringen diese wenigen Zeilen Sie doch noch um.

Also Bücherfreunde: bis zum nächsten Jahr. Machen Sie es gut. Lesen Sie weiter. Und auf Wiedersomething.

© SZ.de/pak/mkoh

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