Nachtkritik: Tatort-Quiz in der ARD Der Mord zum Sonntag

Pilawas Tatort-Quiz: ein unterhaltsamer, aber auch absehbarer Häppchen-Fall - hübsch und harmlos.

Von Gerhard Matzig

Miroslav Nemec, besser bekannt als Münchner "Tatort"-Kommissar Ivo Batic, der auch dabei war beim "großen Tatort-Quiz mit Jörg Pilawa" (ARD, Donnerstag, 20:15 Uhr), hätte zu der Versuchsanordnung sagen können: "A gmahde Wiesn."

Gehörte auch zu einem Rate-Team: Tatort-Schauspielerin Maria Furtwängler

(Foto: Foto: dpa)

Und der 16-jährige Tatort-Fan, der doch tatsächlich alle bisher bekannten 709 Tatort-Folgen von Kiel bis Konstanz auf DVD hat, hätte dann vermutlich seinerseits Herrn Batic sagen können, wann dieser Wiesn-Tatort erstmals gesendet wurde: am 23.9.2007.

Denn was soll schon passieren, wenn das seit vier Jahrzehnten so deutsche wie sonntägliche Fernseh-Kulturgut von vier Experten-Teams (Rechtsmediziner, Fans, Polizisten und Juristen) unter Anleitung eines agilen, sympathischen Pilawa verhandelt wird?

Noch dazu, wo doch zu den vier Teams auch noch einige der besten Ermittler-Schauspieler gehörten: außer Nemec zum Beispiel auch Maria Furtwängler oder Axel Milberg.

Kommissare essen Döner, Currywurst und Frikadellen

Was also passieren soll? Eben. Nichts. Oder doch: nicht allzu viel.

Man sitzt so zusammen, tauscht sich aus, guckt sich Einblendungen an: den singenden Stoever, den fliegenden Schimi, den flirtenden Kressin (Achtung! Historie!).

Ein Abend voller Häppchen. Hübsch. Harmlos.

Was aber nicht heißen soll, der Abend wäre verschenkt gewesen. Zumal der wahre Tatort-Fan, der weiß, dass das Routine-Häppchen durchaus zum Wesen des Tatorts gehört, konnte sich durchaus ins vergnügliche Examen stürzen.

Konnte Fragen beantworten, ob der berühmte Nastassja-Kinski-Tatort "Reifezeugnis" oder "Reifeprüfung" oder "Reife Leistung" hieß. Na?

Oder ob sich Hansjörg Felmy als Kommissar Heferkamp lieber Frikadellen oder Brathähnchen oder eine Bockwurst schmecken ließ. Na?

Oder ob Schimi oder Stoever oder Odenthal mehr Dienstjahre auf dem Buckel haben. Na?

Andererseits: Ist das sooooo spannend? Es ist eben wie beim "Tatort" am Sonntag: Man denkt sich zum Beispiel "Odenthal-Frikadellen-Reifezeugnis" (oder: Es war der Gärtner, die Mutter, die Ehefrau, der Frisör) - und weiß, dass man im Prinzip richtig liegt.

Der große Rest? Kommissare essen Döner, Currywurst und Frikadellen.

Am spannendsten geriet die Einsicht, dass Andrea Sawatzki in Wirklichkeit gar nicht hysterisch und Jan Josef Liefers in Wahrheit gar nicht hyperaktiv ist.

Es sind eben Schauspieler - und deshalb konnten sie zu Recht so wenig mit der Sendung anfangen. Am Schluss aber haben die Fans knapp vor den Polizisten gewonnen.

Leidenschaft vor Rechthaben. Immerhin.