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Musikautorenpreis:Wer die Hits schreibt

Deutscher Musikautorenpreis

Deutsche und Griechen, das kann auch klappen. So wie beim Musikduo "Sea + Air" (Daniel Benjamin und Eleni Zafiriadou), die am Donnerstagabend in Berlin den Musikautorenpreis als bester Nachwuchs erhielten. Der Preis wurde 2009 von der Gema ins Leben gerufen und wird in zehn Kategorien verliehen.

(Foto: dpa)

Musikautoren begründen den Erfolg von Sängern und Bands. In Berlin stehen sie jetzt im Mittelpunkt. Nicht jedem der Geehrten ist das recht.

Als Bibi Bourelly sechs Jahre alt war, starb ihre Mutter an Brustkrebs. "Mir fehlten die Worte, um meinen Schmerz auszudrücken", erzählt die 20-jährige Berlinerin, die heute in Los Angeles lebt und einen Weg gefunden hat, ihre Gefühle zu verarbeiten. Sie schreibt Musik, etwa für Superstar Rihanna. "Bitch Better Have My Money", der aktuelle Hit der R'n'B-Sängerin, stammt aus der Feder der Berliner Schulabbrecherin. "Wenn du schreist, ist das schlechtes Benehmen", erzählt Bourelly. "Aber in einem Song kannst du schreien und damit sogar Leute bewegen."

Menschen, die andere durch Musik bewegen und dabei oft selbst im Hintergrund bleiben, stehen am Donnerstagabend in Berlin im Mittelpunkt. Im Luxusambiente des Ritz Carlton wird der deutsche Musikautorenpreis verliehen. Die oft kritisierte Verwertungsgesellschaft Gema will mit der feierlichen Gala zeigen, wofür sie eigentlich da ist: um die Rechte der Künstler zu vertreten, deren Urheberschaft in den Mittelpunkt zu rücken, und darüber ein Kulturgut zu bewahren, das in der Öffentlichkeit oft als Allgemeingut empfunden wird. Hinter dem aber Menschen stecken, die auch ihre Familien ernähren wollen.

Wer sind die Songschreiber hinter den Stars und Sternchen des deutschen und internationalen Musikgeschäfts? Wer macht seine Sache so gut, dass er es verdient hat, aus dem Schatten der Interpreten herauszutreten?

Die kreativen Köpfe hinter der Musik

Für die Jury, die den Preis zum siebten Mal vergibt, ist das in diesem Jahr etwa DJ Farhot. Der deutsch-afghanische Musikproduzent aus Hamburg, der eigentlich Farhad Samadzada heißt, arbeitet unter anderem für Haftbefehl ("Chabos wissen, wer der Babo ist"), Culcha Candela oder die Fantastischen Vier. Auf der Bühne im Ritz in der Kategorie Komposition Hip Hop ausgezeichnet, zeigt sich bei DJ Farhot, was typisch ist für viele Musikautoren und -produzenten: Sie sind diejenigen, die zwar den Gold- und Platinstatus der Sänger und Bands begründen, dabei aber oft ganz bescheiden bleiben. So auch DJ Farhot im braunen Blumenanzug, der sich auf der Bühne windet - und später selbstbewusst erzählt, dass er trotzdem immer gewusst habe, dass er mit seiner Musik mal sehr erfolgreich sein würde.

7. Verleihung Deutscher Musikautorenpreis

Gewonnen in der Kategorie "Komposition Hip Hop": DJ Farhot.

(Foto: dpa)

Nicht immer bleiben die Musikmacher abseits des Rampenlichts, manchmal sind Songschreiber und Interpret identisch. So wie bei Wolfgang Niedecken, der an diesem Abend in der Kategorie Text Rock/Pop ausgezeichnet wird. Der Kölner BAP-Mann, der sich von einem Schlaganfall vor vier Jahren vollends erholt zu haben scheint, sagt: "Dieser Preis bedeutet mir besonders viel, weil er mit professioneller Leistungsbewertung zu tun hat und nicht für besonders viele verkaufte Alben verliehen wird." Also anders als etwa beim Echo, wo es um Umsatz geht.

Später sagt er der Süddeutschen Zeitung: "Die Gema ist ja eigentlich ein Inkasso-Unternehmen. Gott sei dank! Denn die meisten Künstler, die ich kenne, haben gar keine Lust, sich um ihre Finanzen zu kümmern."

Inhalte statt Abverkäufe

7. Verleihung Deutscher Musikautorenpreis

Bekam den Preis für "Text Rock/Pop" von seinem kölschen Kollegen Peter Brings (links) überreicht: Bap-Mann Wolfgang Niedecken.

(Foto: dpa)

Dass es bei diesem Preis tatsächlich eher um Inhalte als um Abverkäufe geht, zeigt auch der Lebenswerk-Preis, den die Jury diesmal an Helmut Lachenmann vergibt. Der 79-jährige Komponist, Kompositionslehrer und Begründer der Stilrichtung "Musique concrète instrumentale" sei für die einen ein Genie, so die Urteilsbegründung, für die anderen ein "Instrumentenquäler". Immerhin habe er "die Musikwelt ein Stück weit revolutioniert."

Wie praktisch es ist, dass sich der Musikrechteverwerter Gema um die Finanzen von teils noch unentdeckten Künstlern kümmert, zeigt der Preis für die besten Nachwuchskünstler. Der geht an das Duo "Sea + Air", das sich auch als "Sie und Er" lesen lässt: Das junge Ehepaar, sie Griechin, er Deutscher, das mit seinem melancholischen Pop ("You Are", "Do Animals Cry") eine echte Entdeckung ist, lässt es sich nicht nehmen, auf der Bühne eine Botschaft auch an die Politik loszuwerden: "Wie man sieht: Deutschland und Griechenland funktionieren gemeinsam. Macht es besser!"

Wie die Arbeit als Songschreiber, der ganz abseits des Rampenlichts im dunklen Kämmerlein arbeitet und seine Lieder durch strahlendere Versionen seines Selbst auf der Bühne vertreten lässt, im Alltag abläuft, darüber ist an diesem Abend allerdings wenig zu erfahren. Dafür sind sämtliche Preisträger und Nominierten dann doch schon zu etabliert.

Dafür gibt es ein Wiedersehen mit Dieter Thomas Heck - der auf dem roten Teppich dem Hauptstadt-Boulevard erklären muss, warum er vor fast 40 Jahren seine zweite Frau geheiratet habe und wieso seine Hand bandagiert ist. Die Erklärung: "Treppe runtergefallen. Mit Glas in der Hand." Die Stimme aber, die sitzt noch immer wie ein messerscharf maßgeschneiderter Anzug. Die Talente sind eben sehr unterschiedlich verteilt.

Alle Infos zum Preis, die Nominierten und Preisträger finden Sie hier.