"Museo delle Culture" in Mailand:Kampf um einen Fußboden

Museo delle Culture

Um das "Museo delle Culture" ist kurz vor Eröffnung zwischen Architekt und Stadtverwaltung ein bizarrer Streit wegen des Bodenbelags ausgebrochen,

(Foto: Comune di Milano)
  • Das "Museo delle Culture", das sich den Kulturen der Welt widmet, öffnet nach 15-jährigen Planungs- und Bauarbeiten in Mailand seine Pforten.
  • Kurz vor der Eröffnung ist zwischen Stadtverwaltung und Architekt David Chipperfield ein Streit über den Bodenbelag ausgebrochen.
  • Eröffnet wird das Museum mit einer Ausstellung über Afrika.

Von Henning Klüver, Mailand

In Mailand öffnet am Freitag ein neues Museum, das "Museo delle Culture" (Mudec), das sich den unterschiedlichen Kulturen der Welt, ihrer Geschichte und Bedeutung für die Gegenwart widmen soll. Mailand als internationalste Stadt Italiens mit einem Ausländeranteil von rund 20 Prozent der Wohnbevölkerung bietet dafür ein gutes Umfeld.

Um das neue, vom britischen Stararchitekten David Chipperfield projektierte Gebäude ist allerdings kurz vor Eröffnung zwischen Architekt und Stadtverwaltung ein bizarrer Streit wegen des Bodenbelags ausgebrochen, den die Medien "una guerra del pavimento", einen Fußbodenkrieg, nennen. Dabei geht es um unterschiedlich getönte Bodenplatten aus Lavastein. So als würde der sein feuriges Erbe belegen wollen.

Was man zur Vorgeschichte des "Konflikts" im Mudec wissen muss: Vor bereits 15 Jahren wurde mit einer aufgelassenen Fabrikanlage unweit des Bahnhofs Porta Genova ein Standort für das Museum gefunden. Vor 14 Jahren gewann Chipperfield die Ausschreibung für den Neubau des Museums mit einem faszinierenden Konzept der Lichtführung und auf der Basis eines ästhetischen Hell-Dunkel-Kontrastes.

Eindruck eines "wilden Schachbretts"

Doch dann kam es immer wieder zu Verzögerungen beim Bau des 60 Millionen Euro teuren Projektes. Die Eröffnung des Mudec wurde ein ums andere Mal verschoben. Das hatte auch mit einem häufigen Wechsel der Verantwortlichen auf Seiten des Auftraggebers zu tun. Drei Bürgermeister, zehn verantwortliche Stadträte und acht Bauleiter haben sich in den vergangenen Jahren mit dem Projekt beschäftigt. Umstände, die man nicht nur in Mailand beklagt.

Was lange währt, wird endlich gut, sollte man meinen. Vor wenigen Tagen aber hat Chipperfield wutentbrannt die Autorenschaft am Projekt zurückgezogen. Der Grund: die Stadt hatte in der letzten Bauphase ganz die Projektleitung an sich gezogen, um den Bau rechtzeitig zur Weltausstellung Expo 2015 (1.Mai - 31. Oktober) fertig zu stellen. Auch um Geld zu sparen wurde der Fußbodenbelag gegen die Planung des Architekten geändert. Statt eines Basalts aus dem Veneto griff man auf billigeren Lavastein vom Ätna zurück.

Der wurde auch noch ohne ästhetische Abgleichung verlegt, dunkle Platten neben weniger dunklen, so dass der Eindruck eines "wilden Schachbretts" (Chipperfield) entstanden ist. Für die Stadt nicht weiter schlimm, ein "Problem der Endverarbeitung", dass im Herbst nach der Expo gelöst werden könne. Für Chipperfield ist aber so ein "fundamentales ästhetisches Problem" entstanden. Er habe, ließ er verlauten, angeboten, den Schaden sofort zu beheben.

"Pfuscharbeit, die sogar meiner Mutter aufgefallen wäre"

Die Stadt habe aber aus Angst vor Mehrkosten und erneutem Zeitverlust abgelehnt. "Unverständlich stur" beklagt im Gegenzug der jetzige Kulturstadtrat die Haltung Chipperfields. Der spricht von "Pfuscharbeit, die sogar meiner Mutter aufgefallen wäre". Er will (erst einmal) nichts mehr mit dem Bau zu tun haben und mit der "Provinzposse" schon gar nichts.

"Völlig Wurst", kommentierte der Mailänder Kunsthistoriker Philippe Daverio. Alle Welt werde das Museum als Chipperfield-Bau ansehen, und Zoff zwischen Auftraggeber und Künstler habe es schon immer gegeben.

Übrigens wird das Museum nicht mit einer festen Sammlung eröffnet. Die aus mehreren Quellen zusammen zu stellen und zu ordnen, hat wohl die Zeit nicht ausgereicht. Gezeigt wird jetzt erst einmal "Afrika", eine Ausstellung der Kunst und Kultur des schwarzen Kontinents vom Mittelalter bis heute. Zu dieser Planungsgeschichte jedenfalls scheint der schwarz-graue Flickwerkstil des Lavabodens ganz gut zu passen.

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