Melbourne Banksy-Bilder fallen Bauarbeiten zum Opfer

Über die frühere Eingangstür in der ACDC Lane hatte Banksy seine Ratte mit Fallschirm platziert.

(Foto: Meyer Eidelson/Melbournewalks.com)

In Melbourne setzen Handwerker genau dort eine Tür ein, wo Banksy seine berühmten Ratten platziert hat - und zerstören damit eine Street-Art-Sammlung.

Meyer Eidelson hätte es wissen müssen. Der Historiker dachte, man könne die Banksy-Graffiti in Melbourne eher bewahren, indem man ihre Standorte verschweigt. Mit dieser Strategie hat sich Eidelson getäuscht.

Als Handwerker vergangene Woche in der ACDC Lane in Melbourne eine neue Tür einsetzten, taten sie das an eben so einem Banksy-Standort. Und zerstörten damit unabsichtlich drei der bekannten Stencils, Banksys berühmte Schablonenbilder. 2003 hatte der britische Street-Art-Künstler hier eine Gruppe von Ratten an die Hauswand gesprüht: eine mit Fallschirm, zwei im Gespräch und eine am Boden kauernd. Nun sind sie zusammen mit den ausgeschlagenen Mauerteilen verschwunden. Eidelson zufolge wurden sie "achtlos in einen Müllwagen" gekippt. Nun ist der Veranstalter von Spaziergängen durch Melbourne am Boden zerstört.

Pech für Banksy in der ACDC Lane

Unglücklich ist der Vorfall, weil mit diesen Werken nun insgesamt fünf Banksys in einem einzigen Straßenabschnitt zerstört wurden - im Zeitraum von zwei Jahren. Sie gehörten zur größten Sammlung einzelner Banksy-Bilder in der Stadt; vor zwei Jahren bereits wurden nur zwei Meter weiter zwei Stencils beschädigt. 2008 schütteten Vandalen Acrylfarbe über eines der Bilder und versahen das Werk mit dem Schriftzug "Banksy woz ere", also "Banksy war hier". Zwei Jahre später schrubbten Reinigungskräfte ein Ratten-Graffito von einer Hauswand in der Hosier Lane, 2012 und 2013 wurden weitere Werke entweder von Bauarbeitern zerstört oder übermalt.

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Weshalb sich einige Menschen in Melbournes Kunstszene weigern, die Locations weiterer Banksy-Bilder preiszugeben - so wie Eidelson. An dieser Stelle, liebe Fans, sei daran erinnert: Es geht hier um Street Art. Banksy kalkuliert mit dem Risiko, dass seine Stencils oft ebenso schnell verschwinden, wie er sie unangekündigt und über Nacht auf Hauswände wirft. "Street Art ist auch von Natur aus befristet, vergänglich und auf ewig wandelbar", wie es eine Sprecherin der Stadt Melbourne ausdrückt. Dennoch versuche man, Street Art in der Stadt, die sie als Zentrum dieser Kunstform in Australien bezeichnet, so weit wie möglich zu bewahren. Street Art sei essenziell für die Lebendigkeit Melbournes.

Eidelson dürfte das wenig trösten. In seinem Blog schreibt er: "Nun müssen wir den Mund aufmachen, schließlich geht es um das kulturelle Vermächtnis unserer Stadt." Er sollte sich vielleicht das Motto zu Herzen nehmen, das über der neu angebrachten Tür in der ACDC Lane prangt: "Dream big" - also sinngemäß "Träume grenzenlos". Ob mit oder ohne Banksy.

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