Düsseldorf erhält Corinth-Werk zurück:Vielen Dank für die Blumen

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Düsseldorf erhält Corinth-Werk zurück: Für rund eine halbe Million Euro zurückgekauft: Lovis Corinths "Blumenstillleben mit Flieder und Anemonen" (1925).

Für rund eine halbe Million Euro zurückgekauft: Lovis Corinths "Blumenstillleben mit Flieder und Anemonen" (1925).

(Foto: Stefan Arendt/Kunstpalast)

Ein von den Nazis beschlagnahmtes Stillleben von Lovis Corinth kehrt zurück nach Düsseldorf.

Von Alexander Menden

Ein bisschen ins Schwärmen gerät Felix Krämer schon, wenn er von Lovis Corinths "Blumenstillleben mit Flieder und Anemonen" spricht: "Es ist ungeheuer frei gemalt", sagt der Direktor des Düsseldorfer Kunstpalastes. "Corinth bleibt zwar im Gegenständlichen, ist darin aber sehr souverän. Die späten Stillleben finden zu einer großen Leichtigkeit, die wirklich etwas Besonderes ist."

Zwölf Jahre, vom Entstehungsjahr 1925 bis 1937, war diese wichtige Arbeit im Bestand der Städtischen Kunstsammlungen Düsseldorfs. Dann beschlagnahmten die Nationalsozialisten sie - zusammen mit 112 weiteren Gemälden, zehn Skulpturen und Plastiken und 929 Arbeiten auf Papier - im Zuge der Aktion "Entartete Kunst". Jetzt, 85 Jahre später, ist der Corinth nach Düsseldorf zurückgekehrt. Es ist in der Geschichte des Kunstpalastes erst das siebte Mal, dass es gelungen ist, ein beschlagnahmtes Bild zurückzuerwerben. Es stammt aus Corinths Todesjahr und ist ein bedeutendes Beispiel für die Brückenfunktion des späten Corinth zwischen Impressionismus und Expressionismus.

Die Provenienz und das Schicksal des Bildes nach der Beschlagnahme ist gut nachvollziehbar: Es wurde 1925 in Berlin und dann bei der "Jubiläumsausstellung der Rheinlande" in Düsseldorf gezeigt. Corinth besuchte die Stadt im Juni 1925 auf der Durchreise in die Niederlande, wo er sich die Bilder der flämischen Meister ansehen wollte. Karl Koetschau, damals Direktor der Städtischen Kunstsammlung, kaufte das Stillleben für die Sammlung, bevor Corinth weiter nach Zandvoort reiste. Dort starb er am 17. Juli an einer Lungenentzündung.

"Flieder und Anemonen" war zwölf Jahre lang in Düsseldorf zu sehen, dann fiel es der nationalsozialistischen Beschlagnahmungswelle zum Opfer. Ein Jahr darauf kam es in eine Auktion bei der Galerie Fischer in Luzern. Der Waffenfabrikant und Kunstsammler Emil Bührle ersteigerte das Bild für seine Sammlung. Über den Kunsthändler Marco Pesarese wurde nun der Rückkauf von den Bührle-Erben vollzogen. Das Geld dafür - rund eine halbe Million Euro - kam aus verschiedenen Töpfen: Die Ernst von Siemens Kunststiftung war ebenso beteiligt wie das Nordrhein-Westfälische Ministerium für Kultur und Wissenschaft und die Kulturstiftung der Länder.

Die Zerstreuung und Verwüstung, welche die Nazis durch ihre Politik anrichteten, wirkt weiter nach; die Rückordnung zum Vorkriegszustand geht allmählich und stückweise vonstatten und wird immer unvollständig bleiben. Zuletzt hatte die Stadt nach vielen Querelen Franz Marcs Gemälde "Die Füchse" an die Erben des ehemaligen Besitzers Kurt Grawi restituiert, eines jüdischen Bankiers.

Angesichts der Rückkehr von Corinths Stillleben von einer Art Ausgleich für die Sammlung des Kunstpalastes zu sprechen verbietet sich angesichts der vollkommen unterschiedlichen Geschichten beider Werke. Bedenkt man aber, dass Koetschau das Stillleben noch direkt vom Künstler erwarb, ist klar, dass es nun an seinen eigentlichen Ort zurückkehrt.

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