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Unesco:Liverpool verliert Welterbe-Titel

Liverpool habe längst den Charakter verloren, der zum Weltkulturerbe geführt habe, so die Jury.

(Foto: PAUL ELLIS/AFP)

Es ist erst das dritte Mal, dass dieser Titel entzogen wird. In Liverpool waren mehrere Bauprojekte der Auslöser.

Die Unesco hat der Hafenstadt Liverpool die Auszeichnung als Weltkulturerbe entzogen. Das zuständige Komitee der UN-Organisation traf die Entscheidung am Mittwoch auf seiner laufenden 44. Sitzung im chinesischen Fuzhou. Wegen des "Liverpool Waters" genannten Stadtentwicklungsvorhabens, dem Bau von Hochhäusern, Infrastrukturprojekten und schlechtem Management war der Status bereits seit längerem bedroht. Auch gab es Kritik an einem geplanten Fußballstadion.

Liverpool wurde 2004 zum Weltkulturerbe erklärt. Schon seit 2012 steht es auf der Liste gefährdeter Stätten. In einem Unesco-Dokument heißt es, es habe längst seinen Charakter verloren, der zur Einstufung als Welterbe geführt habe.

Vor Liverpool wurden das Dresdner Elbtal und das Reservat der Arabischen Oryx-Antilopen in Oman von der Liste gestrichen

Seit 1978 hat die Unesco mehr als 1000 Stätten auf die Liste des Weltkultur- und -naturerbes gesetzt. Der begehrte Status, mit dem die Orte um Touristen und staatliche Gelder werben können, soll für diese Anreiz sein, die einzigartigen Stätten dauerhaft zu erhalten. Kommen die Länder und Kommunen dem nicht nach, droht im schlimmsten Fall die Streichung von der Liste.

Derzeit werden gut 50 Stätten auf der Liste des bedrohten Welterbes geführt. Dauerhaft gestrichen wurden vor Liverpool nur zwei Orte: Das Dresdner Elbtal, das seinen Status 2009 wegen des Baus der Waldschlößchenbrücke verlor, und das Reservat der seltenen Arabischen Oryx-Antilopen im Oman, das für die Erdölförderung um 90 Prozent verkleinert und daraufhin 2007 von der Liste genommen wurde. In der Regel tut die Unesco aber alles, um diesen Schritt zu vermeiden, weil damit der Anreiz, die Stätten zu erhalten, oft vollends verloren geht.

Immer wieder wird das Schutz-Verfahren der Unesco aber auch selbst kritisiert. Teils, weil es zu einer Musealisierung der Welterbeorte beitrage und auch deren unbedenkliche Weiterentwicklung abschneide. Teils, weil es deren Zerstörung durch den Tourismus-Boom, den das Welterbe-Prädikat oft auslöst, sogar noch befördere.

© SZ/dpa/jhl/cag
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