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Kurzkritik:Spaß-Apokalypse

Trickfilm und Rockoper: "Tenacious D" in der Olympiahalle

Wie sieht die Welt nach der Apokalypse aus? Das kann man sich angesichts der Klimakrise schon mal fragen. Die Schauspieler und Musiker Jack Black und Kyle Gass, auch bekannt als Tenacious D, haben das getan und ihre Ideen dazu unter dem Namen "Post-Apocalypto" als Trickfilm und Album veröffentlicht. In der gut gefüllten Olympiahalle stellten sie beides nun in Form einer Art Trickfilm-Rock-Opera vor. Das heißt, der Film wurde episodenweise auf eine durchsichtige Leinwand projiziert. Dazwischen spielten Black und Gass hinter der Leinwand von drei Musikern an Gitarre, Bass und Schlagzeug begleitet die dazu gehörenden Lieder.

Eine kurze Zusammenfassung des von Jack Black im Teenager-Kritzelstil gezeichneten Films: Jack und Kyle überleben die Apokalypse in einer Kühltruhe. Dann tauchen Frauen auf, die sie aus Rache an allen Männern einem Vagina-Monster zum Fraß vorwerfen wollen. Sie begegnen Nazis und dem Ku-Klux-Klan, werden von einem Terminator aus der Zukunft gerettet, den Jacks Sohn entwickelt hat. Ihre schlussendliche Mission: von Donald Trump Jr. im Weißen Haus den grünen Gilgamesch-Kristall zu klauen und damit die Welt retten.

Als bewusst trashige, politisch angehauchte (S)Exploitation-Story hat das ohne Zweifel seinen Unterhaltungswert. Live im Wechsel zwischen Bewegtbild und Musik springt der Funke aber nicht durchgehend über. Dazu trägt auch ein minutenlanger Ausfall des Projektors seinen Teil bei. Wirklich abendfüllend ist es ebenfalls nicht, weshalb Tenacious D danach noch mehr als eine Stunde lang von "Rize of the Fenix" über "Master Exploder" bis hin zu "Tribute" ein Greatest-Hits-Programm hinterherschieben. Das machen sie wie gewohnt mit vollem Körpereinsatz, viel Selbstironie und hohem Spaßfaktor. Jack Black röhrt, springt über die Bühne, Kyle Gass spielt Gitarre, singt oder trötet. Und so schaffen es Tenacious D, dass man selbst nach der Apokalypse gut gelaunt nach Hause geht.

© SZ vom 14.02.2020
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