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Kurzkritik:Seltsam steril

Die britische Band "Metronomy" in der Tonhalle

Wozu besucht der Mensch Konzerte? Um die Lieder der Band haargenau wie auf der Platte vorgetragen zu bekommen? Oder um einen besonderen Abend mit einer besonderen Atmosphäre zwischen Publikum und Band zu erleben? Die Frage schwebt am Montag über dem Konzert der britischen Band Metronomy, die gerade mit ihrem aktuellen Album "Metronomy Forever" und alten Hits durch Europa tourt. Das Quintett, alle in dem gleichen Kleidungsstück, das aussieht wie die hippe Version eines Quarantäneanzugs, trägt seine Songs formschön wie vom Album vor. Da mischt sich Indie-Pop mit elektronischen Elementen, wie es in den Nullerjahren modern war, und ein bisschen Funk, der aber wenig inspiriert wirkt.

Dem Großteil des Publikums gefällt das, es tanzt, singt mit, und klatscht teutonisch, wenn Bassist Gbenga Adelekan es dazu auffordert und die Hände über dem Kopf zusammenführt. Der Gründer und Mastermind von Metronomy, Joseph Mount, erwähnt zweimal, wie sehr er sich freue, mal im "richtigen Bayern" zu spielen, dabei gibt es doch gar kein falsches Bayern im richtigen Freistaat. Das Publikum freut sich über Mounts Bayernaffinität so sehr, als hätte es noch nie ein dahingesagtes Kompliment bekommen. Ehrlicher wirkt da ein vor dem Konzert geposteter Instagram-Eintrag der Drummerin Anna Prior, in dem sie beschreibt, wie zerrissen sich die britischen Künstler fühlen: Durch Europa touren wird nach dem Brexit für sie deutlich schwerer werden.

Das Konzert in der Tonhalle ist trotz der Schönheit der Songs seltsam steril, an einigen Stellen ermüdend. Die zweite Hälfte des Abends wird immerhin interessanter als die erste, die Menge hat die Band warm getanzt. Die schafft es dann auch, mit ihren Hits wie "Love Letters" und "The Look" alle zu begeistern und ihre Energie auf die Zuschauer zu übertragen, anstatt wie vor einem unsichtbaren Vorhang zu spielen. Erst bei den beiden Zugaben tauen Metronomy dann richtig auf, wirken gelöst und dynamisch.