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Kurzkritik:Schleichendes Gift

Martin Puntigam in der Lach- und Schießgesellschaft

Das knallige Plakat mit einem strahlenden Martin Puntigam und der titelgebenden "Glückskatze" sollte einen nicht täuschen: Auch vom Jubiläumsprogramm zum 50. Geburtstag und zu 30 Jahren auf der Kabarettbühne durfte man nichts Bekömmliches erwarten. Bei Puntigam, mit seinem Theaterkabarett ein österreichischer Sigi Zimmerschied, der stets mit Körpereinsatz und Drastik abendfüllend Antihelden auf die Bühne stemmt, um pars pro toto gesellschaftliche Entsolidarisierung oder rechte Gesinnung satirisch aufzuarbeiten, würde schon ein Best-of-Programm wohl nicht funktionieren.

So bleibt er auch in "Glückskatze" seiner Methode treu. In der ersten Hälfte führt er die vom Plakat angetriggerten Comedy-Rituale ad absurdum: Aus einem "Warm-up", wie er es von seinen Science-Busters-TV-Sendungen kennt, wird eine doppelte, mit dem Publikum einstudierte, wunderbar verlogene Auftrittsnummer. Dann sonnt er sich ironisch im Glück, das er im Leben wie in der Karriere bisher gehabt habe. Für einen Martin Puntigam ist das vergleichsweise zahm, und hätte er nicht bereits da einen Bruch eingebaut - die unzeitgemäß parallel zum Jubiläum ablaufende Scheidung von seiner Frau nämlich -, hätte man es sogar für etwas lahm halten können.

Das schleichende Gift fängt freilich im zweiten Teil zu wirken an: Beim zuvor nur am Rande erwähnten Mobbing Schwächerer in seiner Jugend stellt sich heraus, dass er das Opfer war; als Scheidungsgrund wird seine sexuelle Ausbeutung der moldawischen Putzfrau offenbar. Und vom Kleinen, Privaten geht es schnell zum ganz Großen: Die weltweite Renaissance der Despoten erscheint als geplante "mittlere Erschütterung", eine letzte Warnung vor der Klima- und Umweltkatastrophe. Doch der Wärmetod ist uns gewiss; eine Zukunft hat unsere Spezies bei Puntigam nur noch als in Viren implantierte Gen-Information. So ist man am Ende einerseits deprimiert, zugleich aber auch kathartisch erlöst (noch bis Samstag).