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Kurzkritik:Mut für Neues

Ein Liederabend mit Mezzosopranistin Natalya Boeva

Natalya Boeva war schon während des ARD-Musikwettbewerbs 2018 stets mutig und originell in ihrer Programmauswahl. Weil sie aber auch alles großartig singen und gestalten konnte, wurde sie strahlende Siegerin im Fach Gesang. Kein Wunder, dass der Liederabend der russischen Mezzosopranistin im Kleinen Konzertsaal des Gasteig mit der exzellenten Pianistin Polina Spirina am Flügel durch zwei Zyklen aus der Feder lebender Komponisten ihrer Heimat bestach. Einmal waren das vier Lorca-Vertonungen von Dmitry Smirnov, zum anderen der Liederkreis nach Gedichten von Georgy Ivanov unter dem Titel "Meine Sehnsucht kann man nicht überwinden".

Der 31-jährige Komponist Alexander Labyrich konnte am Ende den herzlichen Beifall entgegennehmen für die deutsche Erstaufführung seiner elf Lieder, die konzise eine im Suizid endende vergebliche Liebe eines Mannes zu einer Frau erzählen, deren Walzer-Auftritt im vierten Lied vor Spott und Zynismus nur so strotzt. Auch wenn die Moderation von Cornelia Schweitzer hilfreich war, eine Übersetzung der Texte konnte sie nicht ersetzen, denn Labyrich reduziert die Klavierbegleitung zwar manchmal auf eine karge Zweistimmigkeit, verschmilzt diese aber mit expressiven Gesangslinien. Feinheiten der Vertonung konnte man daher oftmals nur ahnen, so ausdrucksvoll Boeva mit Spirina auch gestaltete.

Zu Beginn gab es vier Lieder op. 11 von Karol Szymanowski, später neun Richard-Strauss-Lieder: von "Ich trage meine Minne" über "Du meines Herzens Krönelein", "Zueignung" und "Nachtgang" bis "Ruhe meine Seele!" Auch hier zeigte Boeva, wie mühelos und stets klang- und ausdrucksvoll sie ihre Stimme in allen Lagen einsetzen kann; dass sie schöner Piani fähig ist und in der heiklen, sehr direkten Akustik des Kleinen Konzertsaals nie den Pegel der Lautstärke zu sehr ausschlagen lässt. Spirina erwies sich dabei als immer kongenial feinsinnig mitgestaltende Lied-Pianistin. Großer Beifall.