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Kurzkritik:Feuer im Spiel

Die Bamberger Symphoniker mit Hélène Grimaud

Aurea mediocritas. Könnte man es nicht als Vorwurf der Langweiligkeit missverstehen, man wäre versucht, die Bamberger Symphoniker das Orchester der goldenen Mitte zu nennen. Hier werden keine Extreme berührt, keine Grenzen überschritten. Hier wird einfach exzellent musiziert, im Grenzgebiet zwischen Klassik und Romantik. Seinen exzentrischen Gegenpol findet das Orchester in der genialischen Hélène Grimaud.

Doch zunächst präsentieren die Bamberger unter Jakub Hrůša die D-Dur-Symphonie des jung verstorbenen Mozart-Enkelschülers Jan Voříšek. Mit ihrem weich singenden Ton, der delikaten Artikulation führt das Orchester in dieses selten gespielte Werk ein, das an Mozart erinnert, sich vor Beethoven verbeugt und Schubert erahnen lässt. Intensiv werden die recht progressiven harmonischen Entwicklungen nachvollzogen bis zum mitreißenden Finale, das den ohnehin energisch geladenen Hrůša hüpfen lässt. Fast tonlos dann die düster pochende Einleitung zu Mozarts Klavierkonzert in d-Moll (KV 466). Über der samtenen Begleitung brilliert Grimauds Glasklang, dieser einzigartige Ton, zugleich fragil und plastisch. Dass unter der vordergründig analytischen Ausführung interpretatorisches Feuer brennt, wird im stürmischen Mittelteil des langsamen Satzes deutlich. Grimaud zähmt die Flammen, gibt an keiner Stelle das perfekte Parlando auf, auch nicht dort, wo andere Interpreten sich ungeniert dem lyrischen Gesang hingeben. Mit geradezu kämpferischer Geste beginnt sie das Rondo-Finale, beendet die Kadenz mit granitschweren Akkorden, um schließlich zu schwerelosem Dur zu finden.

Das Publikum jubelt. Nicht weniger Applaus wird es dann am Ende der zweiten Programmhälfte geben, wenn die Bamberger Symphoniker Beethovens Zweite aufgeführt haben werden, mit klanglicher Tiefe, doch ohne alle Schwerfälligkeit. Anders als Grimaud hatte Hrůša allerdings mit Mozarts Ouvertüre zu "Figaros Hochzeit" eine Zugabe vorbereitet.