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Kurzkritik:Fadenhaft

"Enders Room" fein vernetzt im Jazz-Labor Unterfahrt

Er sei froh, sagt Johannes Enders, dass alle angekommen seien. Zwei aus der Schweiz, einer aus Berlin, einer aus Moosach und er selbst aus Leipzig respektive Weilheim. Denn Enders Room ist zwar eine feste Band. Allzu oft kann man sich aber dennoch nicht treffen. Ein Engagement wie die "Munich Jazz Summer Week" in der Unterfahrt, wo er fünf Tage am Stück seine Musik präsentieren kann, ist daher nicht nur eine Reihe von Konzerten, sondern auch ein Versuchslabor (noch bis einschließlich Samstag jeden Abend um 21 Uhr). Ältere Songs wie "Billy Rubin" oder "Nothing Matters" werden aufgefrischt, neuere wie "Reconciliation" ausprobiert, mit der Option auf Veränderung.

"Das nächste Stück heißt ,Hikokimori', schauen wir mal, was passiert", sagt Enders im zweiten Set und breitet sich mit seinem Quintett suitenhaft über eine halbe Stunde aus. Und es geschieht eine Menge. Denn so rar die gemeinsamen Zeiten als Musiker sind, so eng ist das Team auf der Bühne künstlerisch in sich verzahnt. Der Trompeter Micha Acher erweist sich als samten phrasierender Modernist, ein Architekt des Feinen, der mit Flügelhornton sich in die Musik hineinfühlt, um aus ihr ein lockeres melodisches Netz zu knüpfen. Enders nimmt die Fäden auf, spielt sein Tenorsaxofon zwar kraftvoll, aber kontrolliert, gerne mit leisem, gehauchtem Ton, aus dem heraus er die Farben dynamischer Passagen entwickeln kann. Der Vibrafonist Karl Ivar Refseth fungiert die meiste Zeit als Fachmann für dezente harmonische Texturen, die der Musik ein schwebendes Fundament geben, führt in Solo-Passagen sein Instrument aber an eine Ekstase-Grenze, die die Band-Energie kulminieren lasst. Wolfgang Zwiauer als gitarristisch denkender Bassist und Gregor Hilbe als rhythmischer Universalist am Schlagzeug grundieren Enders Room von feinem Balladenton bis hin zu funky flirrendem Drum&Bass-Beat. Das ist vielfältig intellektueller und zugleich musikantischer Sound, neugierig auf der Suche.