Kurzkritik Eine Liebesgeschichte

Pianistin Mariam Batsashvili im Herkulessaal

Von Klaus P. Richter

Irgendwie muss es in der DNA der Georgier ein fabelhaftes musikalisches Gen geben. Denn anders ist die Fülle der hochkarätigen Musiker aus Georgien kaum zu erklären. Jetzt war es die 25-jährige Mariam Batsashvili, die im Herkulessaal nicht nur pianistisch glänzte, sondern auch eine Rarität servierte: das Klavierkonzert a-Moll von Clara Schumann. Es ist ihr einziges, das sie als Sechzehnjährige mit Felix Mendelsohn Bartholdy am Pult im Leipziger Gewandhaus selbst spielte.

Ziemlich ungestüm legt der erste Satz los und illustriert so sein "Allegro Maestoso", verzweigt sich aber schnell aus den markigen Oktavverdopplungen in allerhand kapriziöse Spielereien. Das ist etwas für Virtuosen, also für die Georgierin, die 2014 den Franz Liszt Wettbewerb in Utrecht gewann und jetzt im "Rising Star"-Programm der BBC brilliert. Wenn hier die Technik oft über die Substanz dominierte, so erfüllte die "Romanze" des zweiten Satzes "con Grazia" alle romantischen Erwartungen. Ein langer Dialog zwischen Klavier und Cello entfaltet sich wie eine Liebesgeschichte und zeigte Clara Schumann als empfindsame Seele und Batsashvili als sensible Klangpoetin. Der letzte Satz gehörte aber wieder den pianistischen Kunstfertigkeiten, zugespitzt mit der Zugabe, einer Paganini-Etüde von Liszt.

Der junge Maestro am Pult, Case Scaglione, agierte flexibel und einfühlsam mit dem Württembergischen Kammerorchester. Das Ensemble aus Heilbronn, das sich als "internationale Klangmanufaktur" versteht und viel unterwegs ist, konnte dann in Beethovens "Pastorale" sein eigenes Profil zeigen. Chefdirigent Scaglione, Associate Conductor des New York Philharmonic Orchestra, vereint amerikanische Lockerheit mit einer höchst einfühlsamen Musikalität. Er erkaufte zwar die Innigkeit seiner Beethoven-Deutung mit extremen Pianissimi und viel Ritardandi, brachte aber so die Klangkultur des Orchesters zu bester Geltung.