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Kurzkritik:Diskurshumor

Subtil bis schrill: Die Bands "Botschaft" und "Scharping"

Einmal über die Köpfe seiner Zuschauer durch die Konzerthalle gleiten. Davon hatte Malte Thran, Sänger der Popband Botschaft, schon immer geträumt. Damit dieser Traum in der nur mäßig besuchten Milla Wirklichkeit werden kann, müssen sich die Zuschauer allerdings erst einmal vor der Bühne sammeln. Dann lässt sich Thran in die vereinte Menge fallen. Statt aber nun über die Köpfe hinweg zu gleiten, ruht er auf diesen wie auf einer Wolke, die ihn ein paar Schritte ins Club-Innere trägt. Dann entgleitet Thran den tragenden Fans.

Die anfängliche Steifheit seines Vortrags weicht danach der Gelassenheit der Band. Die betont nun auch den Humor und der lebt von seiner Mischung aus Hegel und Prefab Sprout. Einige mag das an Blumfeld erinnern. Man könnte aber auch zahlreiche andere deutschsprachige Bands zum Vergleich bemühen, die in den Neunzigerjahren für den sogenannten Diskursrock standen. An diesem Abend muss sich der subtile Humor von Botschaft jedoch erst einmal gegen die recht schrille Show der Vorgruppe Scharping behaupten. "Ich bin der dark side of the moon" lautet deren erste Songzeile, der sofort eine beeindruckende Lärmattacke folgt.

Textzeilen wie "Wodka-Lemon ist ein Getränk für Loser" oder "Du bist nicht der deutsche Papst" werden ergänzt durch witzige Moderationen, die Thomas Gottschalk auch mal zum größten Literaturkritiker Deutschlands erklären. Oder durch das Bekenntnis, dass Jan Böhmermann jeden Abend auf der Gästeliste stünde, ohne dass er jemals gekommen sei. Dann singt die Band "Hey Jan Böhmermann, schaff doch mal den Alk jetzt ran!" "A.k.a. Eisgekühlter Böhmerlunder", sagt dazu der Gitarrist und Bassist Kevin Kuhn, der aktuell eine größere Bekanntheit als Drummer der Band Die Nerven genießt. Deren Alben gibt es auch auf teurem Vinyl. Scharping bietet dagegen nur eine Musikkassette an. Was als Verpackung eines Download-Codes aber genügt.