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Kurzkritik:Betörender Glanz

Countertenor Philippe Jaroussky im Prinzregententheater

Wenn Philippe Jaroussky zu singen anhebt, scheint die Zeit stehen geblieben. Denn der heute 41-jährige französische Countertenor besitzt noch immer das Aussehen und den Charme eines jungen Mannes Anfang 20. Seine so unverwechselbar schöne, ebenso erotisch schillernde wie unschuldsvoll rein klingende Stimme aber hat noch immer einen betörenden Glanz. Keiner der zahlreichen jüngeren und oftmals ebenso charismatischen Fachkollegen, die ihm nachfolgten, hat ihn bisher erreicht oder gar übertreffen können.

Wenn Jaroussky nun im Prinzregententheater ausschließlich Arien des genialen Monteverdi-Schülers Francesco Cavalli mit seinem 2002 von ihm gegründeten, nicht minder großartigen Originalklang-Ensemble Artaserse singt, dann ist es mucksmäuschenstill. Doch der Beifall brandet nach den einzelnen Blöcken, die immer mehrere Arien und überleitende Orchester-Zwischenspiele Cavallis umfassten, umso heftiger auf. In diesem Pasticcio machte es keinen Unterschied, ob die Arie ein trauerumflortes Lamento war, ein satirisch freches vital pulsierendes Stück oder der flammende Aufruf zu den Waffen, angestachelt durch die beiden grandiosen Spieler des Zinks (Adrien Mabire, Benoît Tainturier), einem vom 15. bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts gebräuchlichen Zwitters aus Blockflöte und Trompete.

Zwischen "Gli amori d'Apollo e di Dafne" (1640) und dem späten "Eliogabalo" (1667) wurden mehr als ein Dutzend Opern wie "Il Giasone" (1649), "Serse" (1654) oder "L'Ercole amante" (1662) gestreift und mit ihren schönsten musikalischen Perlen präsentiert. In jedem Moment beglückte Jaroussky mit ungemein musikalischer Phrasierung, feinem Ausdruck und Schönheit der Tongebung. "La Calisto" am Nationaltheater noch in bester Erinnerung, ließ das die Sehnsucht nach einer weiteren kompletten Oper Cavallis in Münchner Spielplänen wieder aufflammen, vielleicht endlich einmal mit einem Jaroussky an der Bayerischen Staatsoper.