bedeckt München
vgwortpixel

Kurzkritik:Absolut präzise

Die Geigerin Liza Ferschtmans mit den Symphonikern

Der mimische Stoizismus, das unterlassene Mienenspiel sind auch ein Beleg für Liza Ferschtmans hochromantische Ausdruckskunst: Die niederländische Geigerin findet, was sie zu sagen hat - und zu sagen hat sie viel - im Innern. Mit überbordender Kreativität durchleuchtet sie Robert Schumann und Leoš Janáček, dessen Violinkonzert auch unter dem Beinamen "Wanderung einer Seele" bekannt ist. Und so heißt das Programm, das die Münchner Symphoniker und Kevin John Edusei an diesem Abend zusammengestellt haben "Seelenwanderung". Ein anderes Wort schwingt mit: Phantasie. Nicht nur, dass Schumanns Vierte, von den Symphonikern mit Schwung und Esprit interpretiert, vom Komponisten in späteren Jahren Phantasie genannt wurde. Es ist vor allem das: Ferschtmans vielfarbiger Geigenton, der die Vorstellungskraft anregt.

Dabei stimuliert schon das eröffnende Stück Bilder - Mendelssohns Ouvertüre zum Meerjungfrauen-Drama "Die schöne Melusine" ließ Robert Schumann "Perlen in offenen Muscheln" sehen. Nach dieser Ouvertüre das Janáček-Konzert mit seinen kurzen Motiven, den aus der tschechischen Prosodie abgeleiteten Melodiepartikeln und den federnden Rhythmen. Ferschtmans sinnlicher, absolut präziser Ton verbindet süße Kantilenen, rustikale Tänze und expressive Klangrede. Ihre Fähigkeit, sich allein durch Spannungsreichtum gegen ein großes Orchester zu behaupten, auch in den quasi tonlosen Niederungen des vertrackten Konzerts, kommt ihr in der Phantasie Opus 131 zugute. Schumanns spätes Bravourstück wird in der Balance von Miteinander und Gegeneinander zur brillanten Konversation zwischen souveräner Solistin und zupackend begleitendem Ensemble. Mit einem Satz ("Malinconia") aus Eugène Ysaÿes zweiter Solo-Sonate, einer bewegenden Meditation in Zweistimmigkeit, verabschiedet sich die eminente Geigerin.