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Kino:Wider die deutsche Filmflaute!

Kinostarts - 'Inglourious Basterds'

Tarantino drehte seinen Film "Inglourious Basterds" in Deutschland - das könnte künftig häufiger passieren.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Von 2018 an wird die Filmförderung des Bundes auf 150 Millionen Euro jährlich aufgestockt - und soll Deutschland als Filmstandort wieder attraktiv machen.

Über die Vorstellung, was gut und richtig fürs deutsche Kino ist, streiten Regisseure, Produzenten, Verleiher und Fördergremien so gern, dass man fast schon misstrauisch werden muss, wenn ausnahmsweise mal alle zufrieden sind. Aber was das Bundeskabinett am Mittwoch entschieden hat, dürften vom Kreuzberger Experimentalfilmer bis zum Studiochef in Babelsberg alle Betroffenen als gute Nachricht begrüßen: Der Film-Etat der Kulturstaatsministerin Monika Grütters wird verdoppelt.

Ab 2018 wird die Filmförderung des Bundes von 75 auf 150 Millionen Euro jährlich aufgestockt. Das ist eine erstaunliche Entwicklung, weil Finanzminister Wolfgang Schäuble sie vor ein paar Jahren am liebsten noch ganz streichen wollte, aber nun anscheinend von Grütters umgestimmt wurde. Das Geld wird künftig in drei Bereiche aufgeteilt: 25 Millionen Euro stehen pro Jahr für kulturelle Förderung zur Verfügung, also für Kunstprojekte auch ohne Gewinnorientierung; mit 50 Millionen Euro wird der klassische Deutsche Filmförderfonds (DFFF) ausgestattet, bei dem sich auch die Macher von Mainstream-Produktionen wie "Fack ju Göhte" bewerben können; und der dritte Topf mit 75 Millionen Euro soll den Filmstandort Deutschland für nationale wie internationale Großproduktionen attraktiv machen, vom Dreh bis zur digitalen Postproduktion.

Deutschland konkurriert mit Ungarn und Tschechien um Hollywood-Produktionen

Im letzten Jahr war das Budget des DFFF schon nach der ersten Jahreshälfte aufgebraucht - ein deutliches Signal an die Politik, dass hier nachgebessert werden musste. In der neuen Förder-Dreifaltigkeit ist gerade das deutliche Bekenntnis, auch internationale Spitzenproduktionen ins Land locken zu wollen, extrem wichtig für die Zukunft des deutschen Films. Nach ein paar goldenen Jahren, in denen Quentin Tarantino und Roman Polanski zum Drehen kamen, nahm Deutschlands Attraktivität als Filmstandort wieder ab. Hollywoodproduktionen ziehen heute dorthin, wo es die besten finanziellen Anreize gibt, und die bekamen sie besonders in Ungarn, Tschechien, Neuseeland oder England.

Wenn durch die Aufstockung des Budgets wieder mehr Blockbuster in Deutschland gedreht werden, kann sich der Finanzminister freuen. Internationale Produktionsfirmen kassieren zwar die Fördersumme, geben in der Regel aber mehr Geld vor Ort wieder aus, für Honorare, Hotels, Equipment - Filmförderung ist immer auch Standortförderung. Besonders aber kann sich die deutsche Filmbranche freuen. Denn dort, wo viel und auf hohem Niveau gedreht wird, muss man sich vom Catering bis zu den Computereffekten keine Sorgen um das lokale Know-how und den Nachwuchs machen, der bei einer Filmflaute abwandern würde.

© SZ vom 18.03.2017/cag
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