"Adam und Evelyn" im Kino Der heiße Sommer '89

Adam und Evelyn entspannen in ihrem Paradies, das schon bald Risse bekommt.

(Foto: dpa)
  • "Adam und Evelyn" basiert auf dem gleichnamigen Roman von Ingo Schulze von 2008 und spielt 1989 in der DDR.
  • Vom politischen Druck des Sommers '89 ist anfangs kaum etwas zu spüren. Erst als es das Pärchen nach Ungarn verschlägt, werden sie Teil größerer Entwicklungen.
  • Dort wird der Weg über die Grenze nach Österreich zu einer realistischen Option.
Von Doris Kuhn

Ein Film für die Postapokalypse, falls man da noch Filme sehen kann. "Adam & Evelyn" tut erst mal alles, um die Sehnsucht nach einer Welt zu wecken, in der es üppige Sommer gab und die Menschen in Liegestühlen dösten, sorglos. Der gleichnamige Roman von Ingo Schulze liegt dem Film zugrunde, also findet sich das Sommerglück hier in der DDR, im August 1989.

Ein Garten ist anfangs zu sehen, verwildert und leer, irgendwann ertönen "Adam"-Rufe durchs Insektenbrummen. Jedes Bild ist ein Verweis aufs Paradies, erst die betörende Natur außen, dann eine Dunkelkammer innen, in der im Entwicklerbad ein Negativ langsam Konturen erhält: eine nackte Frau unterm Apfelbaum.

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Der Garten, das Haus darin, die Dunkelkammer gehören Adam, seine Freundin Evelyn lebt mit ihm zusammen. Sie steht seinen fotografischen Vorlieben meist entspannt gegenüber, denn Adam ist Damenschneider von Beruf, er mag die Damen, er macht sie schön mit seinen Kleidern, dazu muss er sie ansehen. Das versteht Evelyn. Vielleicht hängt ihre Haltung auch mit dem Garten zusammen, in dem niemand die Energie aufbringt, die Grundruhe zu durchbrechen. Vom politischen Druck des Sommers '89 ist jedenfalls kaum etwas zu spüren, nicht während Adam näht, nicht bei Evelyns Job als Serviererin, den der Film charmant auf ihre Rauchpausen hinter dem Lokal verkürzt.

Aber das Paradies bekommt Risse. Adam fliegt seine Beziehung um die Ohren, Evelyn fährt ohne ihn in Urlaub. Adam folgt ihr mit seinem türkisblauen Wartburg, die Natur am Straßenrand glänzt noch, aber allmählich hört man die Außenwelt. Zunehmende Unruhe in der DDR, bald Ausreisemöglichkeiten nach Ungarn, der Film bringt durch Radios eine politische Berichterstattung in die Geschichte. Ungarn ist zufällig auch das Urlaubsziel von Evelyn und Adam, der sie am Plattensee einholt. Der Weg über die Grenze nach Österreich wird dort zu einer realistischen Option für die beiden, aber noch ist ihnen die Liebe wichtiger, sie müssen sich streiten oder betrügen oder miteinander baden. Der Film demonstriert die Beiläufigkeit, mit der große Entscheidungen fallen. Evelyn will plötzlich "rüber", Adam macht mit. Auf der Autobahn sind beide ein bisschen erschrocken, wie unspektakulär sie in ein anderes Leben hineinfahren.

"Adam und Evelyn" ist kein Film der Wende-Romantik. Sobald die Protagonisten ihre Heimat hinter sich lassen, bleibt er ein Roadmovie, zeigt aber exemplarisch Reaktionen der Westbürger auf diejenigen, die aus dem Osten kommen. Das reicht von Mitleid bis Misstrauen, von der prahlerischen über die gönnerhafte Pose. Regisseur Andreas Goldstein inszeniert solche Situationen des Aufeinandertreffens mit sehr trockenem Humor.

Mit Adam erzählt Goldstein von einem gedankenlosen Mann, der aus seiner zufriedenen Starre herausgeschüttelt wird, durch die Liebe, durch die Politik. Man kann ihm zusehen, wie er versucht, die Erschütterungen so weit zu stutzen, dass er damit zurechtkommt. Um das zu schaffen, richtet er den Blick weniger aufs Ganze als aufs Detail, weniger auf die Hoffnung als auf den Verlust, und das verleiht der bekannten Zeitgeschichte am Ende eine ungewohnte Melancholie.

Adam und Evelyn, D 2018 - Regie: Andreas Goldstein. Kamera, Schnitt: Jakobine Motz. Mit Florian Teichtmeister, Anne Kanis, Lena Lauzemis. Neue Visionen Filmverleih, 100 Minuten.

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