Kinderliteratur Quadratkarierte Spießer

Christine Nöstlinger: Das Austauschkind. Beltz & Gelberg, Weinheim 2018. 160 Seiten, 6,95 Euro.

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Von Roswitha Budeus-Budde

"Wie ich euch hasse! Könnt ihr denn keinen Menschen in Ruhe lassen! Müsst ihr jeden zwingen, so zu sein, wie ihr es wollt? So lasst doch wenigstens den armen Jasper in Frieden! Ihr seid quadratkarierte Spießer". Der Familienaufstand tobt, wie ihn Christine Nöstlinger immer wieder in ihren Büchern inszenierte. Hier, in der Feriengeschichte "Das Austauschkind", ist es der englische Gastjunge, der den Ordnungs- und Erziehungswahn der Eltern mit einem durch nichts zu erschütternden Phlegma aushebelt. Dick, ungewaschen, mit seltsamen Spleens gesegnet, verweigert er sich jeglicher Kommunikation und Erziehungsmethoden, bis der Vater rabiat eingreift und sich die Kinder der Familie, die fünfzehnjährige schon sehr aufmüpfige Billie und der dreizehnjährige ängstliche Ewald, auf die Seite von Jasper schlagen. Slapstick pur bestimmt nun das Familientheater, bei dem Christine Nöstlinger beiden Seiten jede Möglichkeit gibt, sich in den fetzigen Dialogen auszutoben. Um am Ende zu zeigen, dass auch Eltern liebevolle Menschen sein können, die nun hier, völlig verwandelt, die irrsinnigsten Aktionen unterstützen, um ihrem Austauschkind aus seiner Verzweiflung zu helfen.