Journalismus Pulitzer für Parkland-Recherche, Trump-Untersuchungen und Aretha Franklin

Die vermutlich bekannteste Preisträgerin eines Pulitzer-Preises in 2019: Die im August vergangenen Jahres verstorbene Soulsängerin Aretha Franklin bekam die Auszeichnung posthum verliehen.

(Foto: AP)
  • Bei der 103. Verleihung der Pulitzer-Preise wurden am Montag herausragende Arbeiten von US-Journalisten und Kulturschaffenden geehrt.
  • Unter den diesjährigen Preisträgern sind unter anderem Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters, der Washington Post, der Pittsburgh Post-Gazette und der Los Angeles Times.
  • Die begehrteste Kategorie "Dienst an der Öffentlichkeit" ging an eine Zeitung aus Florida für ihre Berichte nach dem Schulmassaker in Parkland.

Die größte Aufmerksamkeit wird bei jeder Pulitzer-Preisverleihung der Kategorie "Dienst an der Öffentlichkeit" zuteil. Dieses Jahr ging sie an die Zeitung Sun-Sentinel aus dem US-Bundesstaat Florida. Die Ehrung war eine Reaktion auf die Berichterstattung nach dem Massaker an der Parkland-High School. Das Blatt habe Versagen an Schulen und bei Strafverfolgern vor und nach der Bluttat im Februar 2018 in Parkland aufgedeckt, sagte Dana Canedy im Auftrag der Jury bei der Verkündung der Pulitzer-Preisträger am Montag. An der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland hatte im Februar 2018 ein 19-Jähriger 14 Jugendliche und 3 Erwachsene erschossen.

Die renommierten Pulitzer-Preise werden jährlich in 21 Kategorien verliehen, 14 davon sind journalistischen Arbeiten vorbehalten - darunter etwa die Kategorien "Kommentar", "Lokale Berichterstattung", "Karikatur" und "Leitartikel".

Drei Reporter der New York Times gewannen einen Pulitzer in der Kategorie "Hintergrundberichterstattung" für eine 18 Monate lange Recherche zu den Finanzen von US-Präsident Donald Trump. Das Wall Street Journal holte "Berichterstattung im Inland" für die Enthüllungen darüber, dass Trump im Vorfeld der US-Wahl im Jahr 2016 Schweigegeld an zwei Frauen zahlen ließ. Die Pittsburgh Post-Gazette gewann für ihre "Aktuelle Berichterstattung" über das Attentat auf eine Synagoge in Pittsburgh mit elf Toten im vergangenen Oktober.

Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters gewannen gleich zwei Pulitzer-Preise: In der Kategorie "Auslandsberichterstattung" für die journalistische Aufarbeitung des brutalen Bürgerkrieges in Jemen. Die beiden an dieser Recherche beteiligten jungen Reporter Wa Lone und Kyaw Soe Oo sind momentan in Myanmar inhaftiert. Bevor sie ihren Artikel abschließen konnten, wurden sie im Dezember 2017 festgenommen. Der zweite Pulitzer wurde der Agentur in der Kategorie "Aktuelle Fotoberichterstattung" für die Dokumentation von Migranten an der US-Grenze verliehen.

Ein Mann trägt ein fünf-jähriges Kind über einen Fluss in Mexiko - eines der Bilder von Adrees Latif, die ausgezeichnet wurden.

(Foto: REUTERS)

Den Sonderpreis erhielt am Montag die am 16. August verstorbene Soulkönigin Aretha Franklin. Sie erhielt als erste Frau den Pulitzer-Sonderpreis. Geehrt werde ihr unauslöschlicher Beitrag zur amerikanischen Musik und Kultur, teilte der Pulitzer-Vorstand mit.

Der Pulitzerpreis gilt als wichtigste journalistische Auszeichnung und ist einem breiten Publikum ein Begriff - allerdings wird der Preis nur an Medien vergeben, die auch in den USA erscheinen. 2017 etwa konnte die von der SZ initiierte Recherche über die Panama Papers nur durch einen solchen Preis ausgezeichnet werden, da die deutschen Journalisten Teil des International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) waren.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels stand, dass der Pulitzer-Preis nur an US-amerikanische Journalisten und Medien vergeben wird. Das ist nicht richtig. Wir haben das korrigiert.

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