"18" von Jeff Beck und Johnny Depp:Der Voodoo-Priester und sein Krafttier

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"18" von Jeff Beck und Johnny Depp: Spirituelle Befruchtung? Jeff Beck und Johnny Depp bei einem Konzert in der Londoner Royal Albert Hall.

Spirituelle Befruchtung? Jeff Beck und Johnny Depp bei einem Konzert in der Londoner Royal Albert Hall.

(Foto: Alamy Stock Photos / Anne-Marie Forker/mauritius images)

Es ist ja letztlich egal, mit wem Jeff Beck spielt. Hauptsache er spielt. Notfalls eben auch mit Johnny Depp.

Von Jakob Biazza

Es gibt, wie sehr oft im Leben, ungefähr zwei gute Gründe, dieses Album zu hören - und einen schlechten. Was ja ein schönes Verhältnis ist. Die guten Gründe haben mit dem Gitarrenspiel von Jeff Beck zu tun und, etwas weniger, mit der Attitüde des Ganzen. Der schlechte Grund ist die Stimme von Johnny Depp.

Man nehme, exemplarisch für alles, etwa "Venus in Furs", im Original von The Velvet Underground und da in seinem Kikeriki-krächzigen Arrangement womöglich im Schlaumeier-Rückblick von heute ein klein wenig nervig. Und hier nun aber das relativ exakte Gegenteil: ein Anabolika-Muskel-behängtes Rock-Viech. Wer zufällig Bilder der im ersten Moment recht verstörenden Rinderrasse "Weiß-Blaue Belgier" vor Augen hat: Ungefähr so klingt das.

Auch stimmlich. Es fehlt da etwas an natürlicher Kraft, und stattdessen ist nun eben ein eher pausbäckiges Gegrummel zu hören - dem Sound von Depps schlechter gelaunten Zeugenaussagen im Prozess gegen Amber Heard nicht ganz unähnlich. Man konnte das Duo Beck/Depp ja zuletzt in Deutschland live erleben, und wer das tat, bekam auch einen kleinen Eindruck davon, wie sehr sie Depp auf dem eben erschienenen gemeinsamen Album, "18" heißt es, mit dem Gesang helfen. Mit vielen Dopplungen. Mit sehr viel Kompression. Und wohl auch mit allem, was die digitalen Zauberkisten sonst so hergeben.

Und dazwischen dann aber eben diese Gitarre, in den vielen, vielen Soli und den oft famosen Instrumentalstücken. Ein paar der selbst größten Gitarristen werden ja immer noch vor Ehrfurcht kaltschweißig, wenn sie über Becks Spiel reden, das bereits in den frühen Jahren den Blues zerfetzte und sich seither mit jeder Schaffensphase radikal verändert hat, ohne seine Unverkennbarkeit einzubüßen. Man lege, um das zu überprüfen, zum Beispiel das Album "You Had It Coming" aus dem Jahr 2000 auf. Eine Art Industrial-Ambient-Blues-Sammlung und wirklich verrückt gut. Im Song "Blackbird" unterhält sich Becks Gitarre, kein Witz, mit einer Amsel, und die beiden scheinen sich prächtig zu verstehen.

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Das wäre dann womöglich auch der Zugang zu diesem Werk. Man sollte "18" vielleicht weniger als echte Gemeinschaftsarbeit im streng musikalischen Sinne hören. Und eher als spirituelle Befruchtung: der Voodoo-Priester des Instrumental-Spezialistentums - und sein spirit animal, sein Krafttier namens Johnny Depp. Es ist ja letztlich egal, so sähe man das dann, mit wem Beck spielt. Hauptsache, er spielt.

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