Interview: Michael Mittermeier:"Ich komme nicht mehr zurück"

Lesezeit: 5 min

sueddeutsche.de: Weil Humor ein Mittel zum Umsturz ist? Zarganars politische Äußerungen waren für das Regime ja vor allem gefährlich, weil er vorher schon so beliebt war.

Mittermeier: Hätte er nicht schon vorher eine Riesenmasse im Herzen und im Bauch bewegt, hätte er nie so ein Forum gehabt. Zarganar war einer der Auslöser des ersten großen Aufstandes der birmanischen Bevölkerung gegen das Regime 1989, und hat auch bei der Safran-Revolution 2007 die Mönche unterstützt.

sueddeutsche.de: Und genau dieser Ruhm ist ihm zum Verhängnis geworden.

Mittermeier: Ich glaube, wenn Zarganar nicht berühmt wäre, wäre er längst tot. Das Regime hat Angst, einen sympathischen, lustigen Menschen zu töten, das würde einen immensen Gesichtsverlust bedeuten.

sueddeutsche.de: Also ist seine Beliebtheit Gefahr und Rettung gleichzeitig.

Mittermeier: Er wäre in den Knast gegangen und nie wieder rausgekommen, die hätten ihn irgendwo verscharrt. Das ist einfach mit jemandem, den niemand kennt. Es verschwinden ständig irgendwelche Menschen in Birma.

sueddeutsche.de: Für wie viel Aufsehen haben Sie und Ihr Team in Birma gesorgt?

Mittermeier: Wir waren nur in Zarganars Wohnung, und der Geheimdienst war sofort im Einsatz. Allein die Tatsache, dass Europäer in einer Wohnung gesehen wurden, bewegt dort einen ganzen Apparat. Mit unseren Informanten vor Ort mussten wir uns immer im Geheimen treffen. Wenn herausgekommen wäre, dass die uns helfen, wäre das für die richtig gefährlich geworden.

sueddeutsche.de: Haben Sie sich nicht gefragt, ob es richtig ist, diese Menschen in Gefahr zu bringen?

Mittermeier: Natürlich hat uns das beschäftigt, mehr als wir wollten. Unser Fahrer ist mittlerweile im Exil. Sie haben ihn über das Auto ausfindig gemacht, er musste seine Familie mit drei Kindern zurücklassen. Aber dieser Mann wusste, was er tat. Das ist deren Form des Widerstands: Sie gehen das Risiko ein, etwas anderes können sie nicht tun.

sueddeutsche.de: Könnten Sie denn noch einmal in Birma einreisen?

Mittermeier: Ich denke, man würde mich entweder am Flughafen verhaften oder heimschicken. Wahrscheinlich heimschicken. Die sind ja nicht blöd, die haben uns nur nicht schnell genug gefasst, als die beschlossen haben, uns zu verhaften. Aber unsere Nummern der Pässe stehen natürlich auf der Liste. Das war mir aber auch vorher klar: Wenn ich diesen Film mache, komme ich nicht mehr zurück.

sueddeutsche.de: Wie ist die Resonanz auf dieses Projekt, das viele so ungewöhnlich für Sie finden?

Mittermeier: Ich mache alles für diesen Film, ich setze mich überall hin, mache Werbung, benutze meinen Namen. Aber es ist nicht einfach, gerade mit den Qualitätsmedien, die immer so auf Comedy herabschauen. Wenn man dann mal etwas Ernsthaftes hat, dann haben sie manchmal nicht die Eier, das zu bringen. Dann schauen sie doch nur auf die Quoten. Da tun die Öffentlich-Rechtlichen immer so, als seien sie besser als die Privaten. Aber das sind sie nicht.

sueddeutsche.de: Fehlt es Ihnen an Aufmerksamkeit für das Projekt?

Mittermeier: Nein, mich ärgert, wenn die Leute sagen: "Oh, das ist ein ganz toller Film!", aber ihn dann doch hin und her schieben.

sueddeutsche.de: Sie sprechen also von einer TV-Ausstrahlung?

Mittermeier: Natürlich. Es geht um die größtmögliche Aufmerksamkeit für diesen Mann, für das Land Birma. Das kannst du nur mit Kino und Fernsehen erreichen. Ich bin ja froh, dass wir so einen tollen Verleih gefunden haben - auch der weiß, dass er mit diesem Film nicht reich wird.

sueddeutsche.de: Wie schätzen Sie Zarganars Chance ein, jemals wieder freigelassen zu werden?

Mittermeier: Die Chancen stehen natürlich schlecht. Aber wenn es die Hoffnung nicht mehr gibt, dann muss ich nicht so einen Film machen.

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