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Inklusion :Schräge Musik im Kopf

Apropos Ich bin anders

Was ist schon normal? Babette Bühler und Barbara Altmann (von links) sind als Clowns eben an sich ein bisschen daneben.

(Foto: Benjamin Schmidt)

Im Ensemble des Theaters Apropos spielen Menschen mit und ohne psychische Erkrankung. Mal ist das Thema, meist nicht. Beim aktuellen Stück "Ich bin anders" aber geht es ausschließlich um ein Leben jenseits der Norm

Vor etwas mehr als zwei Jahren zeigte das inklusive Theater Apropos ein lustiges Stück namens "Valentin in Halifax". Die Schauspieler, von denen einige psychisch krank sind oder waren, spielten eine Reise nach Kanada, auf der sie sich die Zeit mit absurden Wortspielen und philosophischen Überlegungen vertrieben. Das hat damals gut funktioniert, weil das Anderssein der Schauspieler zu keinem Zeitpunkt im Vordergrund stand. Der Regisseur Anton Prestele tat so, als seien alle wie alle anderen auch. Oder zumindest für die Dauer der Vorstellung.

Bei der aktuellen Produktion des Theaters Apropos sagt der Name schon wenig subtil, dass man diesmal einer anderen Agenda folgt. "Ich bin anders" thematisiert ausschließlich das Anderssein gegenüber dem vermeintlich Normalen. In vielen Miniaturen, die durch keine größere Erzählung verbunden sind, erzählen die Schauspieler von diesem Anderssein. "Von Stimmen im Kopf, vom nicht mithalten können mit dem Tempo der Welt, von Zwängen und Ängsten. Ich bin anders als du, du bist anders als ich", heißt es in einer kleinen Gesangsnummer, die den Abend eröffnet. Immer wieder sind die Szenen von schräger Musik begleitet. Eine schön arrangierte dreistimmige Version von "Der Mond ist aufgegangen" wird so komplett entstellt. Das Ohr versucht die ganze Zeit zu korrigieren, die "richtige" Version rauszuhören. Der Einsatz dieser Musik vermittelt ein Gefühl von "hier stimmt was nicht" und "immer ein wenig daneben". Dieses "immer ein wenig daneben sein" ist wohl der Grund, auf dem die Leben der Darsteller stattfinden. Auch sie, scheinen sie sagen zu wollen, hören diese schrägen Töne im Alltag, während andere nur ein hübsches Abendlied hören. Das ist von Regisseur Prestele gut gedacht aber mit zu wenig Konsequenz eingesetzt, zu vage, um daraus wirklich ein Konzept zu machen.

Überhaupt ist das Problem des Abends die Schlichtheit der Erzählweise, des überhaupt Erzählten. Clowns rollen mit den Augen, eine Maus versöhnt sich mit einer Katze. Auch der Eröffnungssong erinnert mehr an ein pädagogisches Kinderlied, denn an einen Song für Erwachsene. Das wirkt unnötig naiv. Hier bleiben die Geschichtenerzähler von Apropos hinter ihren spielerischen und kreativen Möglichkeiten zurück. Sicher darf Inklusion auch bedeuten, das Anderssein zu betonen und gerade nicht vermeintliche Gleichheit zu behaupten. Aber gerade dafür ließen sich doch charmantere, weniger platte theatrale Ideen finden.

Ich bin anders, Freitag, 20., und Samstag, 21. September, 20.30 Uhr, Tams, Haimhauser Str. 13 a