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Im Kino: Naomi Watts:Die blonde Seite des Mondes

Sie gilt als Blondine mit Köpfchen - trotzdem hat es Naomi Watts in Hollywood nicht leicht. Nun kommt sie mit gleich zwei Filmen in die Kinos und soll sogar Marilyn Monroe spielen. Ist das der Aufstieg in die A-Liga?

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NAOMI WATTS

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Sie gilt als Blondine mit Köpfchen - trotzdem hat es Naomi Watts in Hollywood nicht leicht. Nun kommt sie mit gleich zwei Filmen in die Kinos. Ist das der Aufstieg in die A-Liga? Die Bilder.

Viele weibliche Stars gelten in Hollywood als echte Marken: Angelina Jolie ist die katzenartige Überfrau, Nicole Kidman die edle Rothaarige, Cameron Diaz die gutgelaunte Kumpel-Blondine und Julia Roberts die wallemähnige Traumfrau mit Humor. 

Wer nicht in die Schublade passt, dem wird gerne das Etikett "wandelbar" verpasst. Oder wird der Einfachheit halber mit seiner erfolgreichsten Rolle verknüpft. Bei Jennifer Aniston war das zum Beispiel die unkomplizierte US-Freundschafts-Serie Friends, weshalb sie nun für immer das nette "Mädchen" von nebenan sein muss.

Aber wofür steht Naomi Watts in Hollywood? Und was verbirgt sich hinter der glatten Fassade?

Text und Bildauswahl: Ruth Schneeberger und Lena Schilder/sueddeutsche.de

NAOMI WATTS AT NATIONAL BOARD OF REVIEW AWARDS GALA

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Im wilden 1968 als Tochter des Toningenieurs Peter Watts der Band Pink Floyd ("The Wall", "Dark Side of the Moon") in der englischen Grafschaft Kent geboren, wurde die Ehe ihrer Eltern geschieden, als die kleine Naomi vier Jahre alt war. Nach dem frühen Tod des Vaters zog sie als Siebenjährige zu ihren Großeltern nach Wales. Als Vierzehnjährige wanderte sie mit Mutter und Bruder nach Australien aus, weshalb sie inzwischen die australische Staatsbürgerschaft besitzt. In Sydney besuchte sie diverse Schauspielschulen und traf dort auf die junge Nicole Kidman, die seitdem als ihre beste Freundin gilt. Naomi Watts brach ihre Ausbildung ab, um in Japan als Model zu arbeiten. Als das nicht so gut klappte, kehrte sie zurück nach Australien. Wo es aber dann mit der Schauspielerei nicht mehr so gut klappte. Weshalb sie vorübergehend in einem Kaufhaus und bei einem Modemagazin anheuerte. Über den Auftritt in einem Laientheater fing die 20-Jährige wieder Feuer - und biss sich in Hollywood fest: 

79. Oscar-Verleihung

Quelle: dpa

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Während Kollegin Kidman sich Tom Cruise angelte, der damals noch als unbestrittener Star galt, an seiner Seite zum Star und nach der Trennung zum Superstar wurde, verlief die Karriere der Naomi Watts zunächst sehr viel schleppender: Nach diversen Werbespots in den achtziger Jahren ergatterte sie zwei kleine Fernsehrollen und 1991 an der Seite von Kidman die Hauptrolle in dem australischen Film Flirt - Spiel mit der Liebe. Nach weiteren australischen TV-Liebes-Dramen bekam sie 1995 ihre erste größere Rolle in einem Kinofilm. Doch die Comic-Verfilmung Tank Girl floppte. "Du brauchst nur diese eine große Rolle", soll Kidman sie damals ermuntert haben - doch die ließ auf sich warten. Die folgenden Jahre verbrachte sie in Horrorfilmen wie Kinder des Zorns IV und Down - Steig ein, wenn du dich traust und schlug sich ansonsten mit Castings herum, in denen sie niedergemacht wurde, wie sie heute gerne berichtet: "Zu groß, zu klein, zu brünett oder zu blind" seien noch die netteren Kommentare gewesen. Sie konnte ihren Lebensunterhalt nicht mehr finanzieren - bis der Meister des banalen Horrors persönlich ihrem persönlichen Horror ein Ende bereitete, indem er sie für seinen neuen Film gleich in einer doppelten Hauptrolle besetzte: 

"Mulholland Drive"

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Kein geringerer als Rundum-Künstler David Lynch gab ihr die blonde der beiden Doppel-Hauptrollen in seinem legendären Hollywood-kritischen Paradoxie-Thriller Mulholland Drive (links im Bild: Laura Harring, die die dunkelhaarige Doppelhautrolle übernahm). Das war der Durchbruch - und die Rolle ihres damaligen Lebens: Naomi Watts (rechts im Bild) spielte darin ein schönes aber erfolgloses Starlet, das sich mit Rache- und Selbstmordgelüsten herumschlägt. Leider ging sie in der Rolle so auf, dass der Zuschauer gleich im Anschluss ihr Gesicht schon wieder vergessen hatte.

" The Ring "

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Immerhin wurde sie nun innerhalb der Branche ernster genommen und erhielt die Hauptrolle in dem düsteren Thriller The Ring (2002) - und damit, 34-jährig, endlich auch den gewünschten kommerziellen Erfolg. Doch in Ermangelung anderer greifbarer Attribute galt sie zwei Jahre später, pünktlich zur Verfilmung von The Ring 2 (2004), auch schon als Königin der Neuverfilmungen - ein eher zweifelhafter Ruf. Dass sie zwischendurch an der Seite von Sean Penn mit dem bewegenden Film über das Gewicht der menschlichen Seele, 21 Gramm (2003), auch alle anspruchsvollen Kritiker überzeugt hatte und sogar eine Oscar-Nominierung für die beste weibliche Hauptrolle ergattert hatte, war da schon wieder in Vergessenheit geraten.

Actress Naomi Watts poses as she arrives at the 2009 Vanity Fair Oscar Party in West Hollywood

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Inzwischen war sie selbst zur Produzentin geworden und drehte unter anderem 2004 das Drama We don't live here anymore mit unter anderem sich selbst als Hauptrolle über die Grausamkeiten innerhalb moderner Paarbeziehungen. Damals hatte sie sich gerade von ihrem Schauspielkollegen Heath Ledger getrennt.

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Im Jahr darauf folgte die Rolle, die sie dem ganz großen Massenpublikum bekannt machte, wieder als von Armut bedrohte erfolglose Schauspielerin, diesmal aber an der Seite von King Kong (2005). Kurz darauf lernte die Eifrige ihren Schauspielkollegen Liev Schreiber (Scream, Orson Welles, Salt) bei den Dreharbeiten zu dem Drama Der bunte Schleier (2006) kennen, mit dessen Filmrolle ihre eigene Filmrolle eine unglückliche Affäre verbindet. Seitdem sind Naomi Watts und Liev Schreiber ein Paar. 2007 und 2008 kamen ihre beiden Söhne zur Welt.

Naomi Watts, Clive Owen

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Pünktlich zur Wirtschaftskrise tauchte Naomi Watts an der Seite von Clive Owen in Tom Tykwers Politthriller The International (2009) wieder auf: Als New Yorker Staatsanwältin im Kampf gegen eine kriminelle luxemburgische Großbank und deren politische Hintermänner machte sie erneut eine gute Figur. Doch so glaubhaft sie wieder war, wurde hier endgültig klar: Selbst in so gefährlichen Gewässern wirkt Naomi Watts immer noch blass. Ihr Gesicht bleibt nie in Erinnerung. Ihre Wandelbarkeit ist ihr großer Trumpf und zugleich ihr größtes Problem. Dennoch spielt sie nun in gleich zwei Kinofilmen wieder die Hauptrolle: 

Kinostarts - 'Fair Game'

Quelle: dpa/Tobis

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Ganz aktuell ist sie von diesem Donnerstag an wieder an der Seite von Sean Penn in dem Agentenfilm Fair Game in den deutschen Kinos zu sehen: Darin geht es um alles andere als Fairplay, nämlich um ein Ehepaar, das in die Lügen der Bush-Regierung rund um den Irakkrieg verstrickt wird. Naomi Watts spielt darin die CIA-Agentin Valerie Plame, Sean Penn ihren Ehemann und mittlerweile Ex-Botschafter Joseph Wilson. Weil er damals öffentlich machte, dass der Irak kein radioaktives Material aus dem Niger zur Anfertigung von Massenvernichtungswaffen beziehe, wurde sie im Gegenzug als CIA-Agentin öffentlich enttarnt. Die Story ist wahr - und Naomi Watts in diesem Fall wohl die beste Besetzung. Weil es schon ein Vorbild gibt, in dessen Rolle sie bis zur Perfektion schlüpfen kann.

Cannes 2010 - You will meet a tall dark stranger

Quelle: dpa

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Schon am 2. Dezember beehrt sie das deutsche Kinopublikum wiederum mit einem Film, diesmal hat Woody Allen die inzwischen 42-jährige Alterslose für sich entdeckt: In der Tragikkomödie Ich sehe den Mann deiner Träume spielt sie die in finanziellen und Liebesdingen glücklose Tochter des 73-jährigen "Helden" Alfie (Anthony Hopkins), der sich nach 40 Ehejahren von seiner Frau trennt, um mit der Prostituierten Charmaine (im Bild links: Lucy Punch) zusammenzuleben. Ähnlichkeiten mit noch lebenden Personen sind natürlich frei erfunden.

Leute-News: Naomi Watts

Quelle: dapd

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Es scheint also, als hätte die früher so durchschnittliche Naomi Watts ihre beste Freundin Nicole Kidman durch harte Arbeit und sehr viel Ausdauer nun doch überholt. In 2012 soll sie gar die strahlendste und tragischste aller Blondinen spielen, die Hollywood je hervorgebracht hat: In dem Dokumentarfilm Blonde gibt sie die Marilyn Monroe. Man traut ihr das auf den ersten Blick nicht zu - aber die Spätzünderin hat ja noch ein bisschen Zeit, ihre blonde Seite des Mondes noch ein wenig heller auszuleuchten.

Und wie sagte Regisseur Andrew Dominik vorab so schön: "Ich möchte die Geschichte mit Norma Jeane (Marilyn Monroes bürgerlicher Name; Anm d. Red.) als zentrale Figur in einem Märchen erzählen; ein Waisenkind, das sich in den Wäldern von Hollywood verirrt hat und zu dieser großen Ikone des zwanzigsten Jahrhunderts aufsteigt." Zumindest für den ersten Part bringt sie also genügend Rüstzeug mit.

Was die Ausstrahlung angeht, wären die meisten ihrer schönen Kolleginnen wohl zum Scheitern verurteilt, wollten sie sich mit der Ausstrahlung einer Monroe messen. So ist Miss Watts im Zweifel das bessere Medium, um die Rolle auszukleiden, weil sie am wenigsten Individualität ausstrahlt. Sollte ihr das nicht gelingen, wird sie sich an der Rolle tüchtig verheben. Um dann wieder aufzustehen und weiterzumachen.

© sueddeutsche.de/lena
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