bedeckt München 26°

Im Kino: Eat Pray Love:Genuss, Konsum, Erleuchtung

Eine frisch geschiedene Mittdreißigerin auf der Suche nach Balance: "Eat Pray Love" mit Julia Roberts ist eine globetrotternde Sinnsuche im Tonfall ironisch pointierter Lebenshilfe-Handbücher. Ein keuscher Film.

Pretty Woman im Baskenland: Am vierten der acht Festivaltage, also dramaturgisch präzise in der Festivalmitte platziert, präsentiert die 58. Ausgabe des "Donostia Zinemaldia" (so heißt das Filmfestival von San Sebastián auf Baskisch) ihren Mega-Star: Julia Roberts. Die Wellen der Begeisterung schlagen hoch, auch weil Julia am Arm eines spanischen Kollegen, des Oscargewinners Javier Bardem, den Festivalpalast betritt.

"Eat Pray Love" ist ein Film wie ein Ratgeber für die Midlife-Crisis. Dass er trotzdem schön anzuschauen ist, liegt vor allem an der charmanten Julia Roberts.

(Foto: AP)

Bardem unternimmt den Versuch, mindestens so gewinnend zu lächeln wie Julia - was mit seinem Dreitagebart eher lustig aussieht. Julia erhält den Ehrenpreis. Die Rührung, mit der sie sich bedankt, trägt sie artig und herzlich vor. Ihr Name ziert nun die imposante Liste der meist männlichen Preisträger: Robert Mitchum, Catherine Deneuve, Al Pacino, Dennis Hopper, Sean Penn...

Bardem hält eine knappe, treffende Laudatio, bei der er Julias Wandlungsfähigkeit herausstreicht. Tatsächlich fügt sie sich in keine der klassischen Frauen-Ikonographien - Femme fatale, Märchenfee, Mädchen von nebenan -, sondern verkörpert in ihren besten Filmen grenzüberschreitende Heldinnen: die Prostituierte im Aschenputtelszenario ("Pretty Woman"), die kämpferische Workingclass-Heldin ("Erin Brockovich"), oder den berühmten und melancholischen Filmstar, der sich danach sehnt, das Mädchen von nebenan zu sein ("Notting Hill").

Im Gespräch mit der Presse zeigt sie ihre Wandlungsfähigkeit en miniature in dem für sie typischen Dreiklang: Mal antwortet sie mit ladyhafter Distanz, dann aufgekratzt wie ein College-Girl, schließlich mit anrührendem Ernst. Was ihr die größten Sorgen bereite? Antwort: "Natürlich die Umweltzerstörung, die Vermüllung der Ozeane, aber die allergrößte Sorge macht mir das Fehlen wirklich menschlicher Beziehungen in einer zunehmend anonymen Welt!"

Bezaubernd, wie sie das sagt. Spielt es da noch eine Rolle, wie der Film ist, den sie mitgebracht hat, der zugleich weltweit und auch in Deutschland in die Kinos kommt? Ja doch, irgendwie schon. Auch wenn die spanischen Kollegen um diplomatische Formulierungen ringen.

"Eat Pray Love" hat die amerikanische Journalistin Elizabeth Gilbert ihr autobiografisches Buch betitelt, das sich 150 Wochen lang auf der Bestsellerliste der New York Times hielt. Ein solcher Erfolg ruft Hollywood auf den Plan, und so verfilmte der als Fernsehregisseur bekannte Ryan Murphy diese Geschichte einer frisch geschiedenen Mittdreißigerin, die nach neuer innerer Balance sucht, mit großer Opulenz - und eben mit Julia in der Hauptrolle. Globetrotternde Sinnsuche, erzählt im Tonfall ironisch pointierter Lebenshilfe-Handbücher. Zielgruppe: Frauen in der Midlifecrisis, die nach neuer Nahrung für Körper, Geist und Seele suchen. Mit einer Art Wunscherfüllungs-Fastfood werden sie hier abgefüttert.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was der Texaner Richard Liz vorwirft - und welche Folgen das hat.

Julia Roberts - die Bilder

Honorarstufe Rot