Hollywood mit Occupy-Ambitionen Stimmungsmache für die Ausgepowerten

Im Hollywoodkino wird endlich radikal umverteilt, inspiriert vom Occupy-Geist. Die Zauberer in "Die Unfassbaren" räumen auf offener Bühne ganze Konten leer. Sofia Coppola zeigt, dass sowieso in jedem Fan konsequenterweise ein Dieb steckt. Doch am Schluss erweisen sich alle Gemeinwohlambitionen als Kulisse.

Von David Steinitz

Wut liegt in der Luft in dem riesigen Saal in New Orleans, geballte Fäuste, zornige Zwischenrufe. Auf der Bühne stehen vier selbsternannte Zauberkünstler, die mit dem tobenden Publikum ordentlich Stimmung machen gegen einen alten Mann oben auf den Rängen.

Es sind Opfer des Hurrikans Katrina, die von der Versicherung des raffgierigen Alten um ihre Entschädigungen geprellt wurden. Und die Zauberer geben dem Zuschauermob, was der sich wünscht: eiskalte Rache. Nicht physisch, brutal, per Lynchjustiz, sondern elegant digital.

Einen Zuschauer nach dem anderen fordern sie auf, per Smartphone seinen Kontostand abzurufen - und der wächst plötzlich. Gleichzeitig schrumpfen die Millionen auf den Konten des Alten und seiner Versicherung.

In "Die Unfassbaren - Now You See Me" inszeniert Regisseur Louis Leterrier im Kostüm der Actionkomödie einige spektakuläre Umverteilungsmaßnahmen zugunsten einer traumatisierten Mittelschicht abwärts.

Der Film ist in den USA in diesen Wochen zu einem der großen Renner der aktuellen Blockbuster-Saison geworden und das erfolgreichste Beispiel einer Reihe von Filmen, die sich momentan dem gesellschaftlichen Druckausgleich widmen.

Diffuse Vorstellungen von den eigenen Zielen

Knapp zwei Jahre nach Occupy - das ist etwa der Zeitraum, in dem man mit etwas Glück im amerikanischen Studiosystem einen Kinofilm verwirklichen kann - reflektieren diese Filme natürlich den antikapitalistischen Zeitgeist, denn nirgends versteht man es so gut wie in Hollywood, die eigene Geldgier mit der Predigt vom Gegenteil zu befriedigen.

Worauf aber wollen diese Filme, gerade jetzt in dieser Häufung, eigentlich hinaus - schon die Occupy-Bewegung hatte neben der leidenschaftlichen Lust am Protest eher diffuse Vorstellungen von den eigenen Zielen. Wie also sieht es aus, wenn die kollektive Traummaschine Kino, die schon immer wusste, wie sie die Massen energetisch mitreißen kann, im Jahr 2013 Revolution macht und vage Ideologie in konkrete Dramaturgie übersetzen muss?

Früher hatte es noch gereicht, regelmäßig die alten Fabeln aufzuwärmen, weshalb seit der Stummfilmzeit noch jede Generation den Robin Hood bekam, den sie verdient. Doch als zuletzt 2010 ein grimmiger Russell Crowe in Ridley Scotts "Robin Hood" trotz wilder Pfeil-und-Bogen-Romantik den Charme eines EU-Krisengipfelteilnehmers ausstrahlte, deutete sich schon an: Es ist kompliziert geworden mit der Gerechtigkeit im Kino.

So entschlossen sich die Macher der "Unfassbaren", die alten Robin-Hood-Ideale mit moderner Krisenkonfusion und jugendlicher Revolutionssucht im Internetzeitalter zu mixen, dachten sich das magische Quartett aus, das mit seiner persönlichen Vision der Finanztransaktionsteuer durch die USA tourt.