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Großformat:Architekt am Strand

Wie Jack Hall mit seinem Hatch House in den Sechzigerjahren die Cape-Cod-Moderne erfand, die bescheiden-relaxte Antwort der Ostküste auf den kalifornischen Glamour.

Ein Haus wie ein Ausblick. Schon wer auf das Hatch House zugeht, merkt den Sog. Über Treppen und Stege führt das Holzgebäude den Besucher schnurstracks auf die Terrasse, hin zum Blick aufs Meer.

Während der Architekt Richard Neutra in Südkalifornien vogelnestartige Häuser schuf, die beim Anblick sofort zur Cocktailparty einladen, lieferte der Autodidakt Jack Hall die Antwort der Ostküste darauf: simpel statt monumental, mehr Hütte als Tempel, aber doch so mondän scharfkantig gezogen in der Linienführung, dass alle Referenzpunkte angesprochen werden - an Japan und das Spiel zwischen Innen und Außen, an das Bauhaus und seine Ideale, an das modulare Bauen der Nachkriegszeit.

"Das Hatch House ist eine Skulptur auf einem Sockel und ein Stück verwittertes Treibholz, das sich in die Landschaft einfügt", sagt Peter McMahon. Der Designer hat zusammen mit Christine Cipriani "Cape Cod Modern" geschrieben. Bevor das Buch 2014 erschien, war kaum bekannt, was für ein Architekturschatz auf der Halbinsel lagert. Denn für Jahrzehnte war Cape Cod der Ort, wo Architekten und Designer ihre Sommer verbrachten. Darunter die emigrierten Bauhäusler Walter Gropius und Marcel Breuer, aber auch der Brite Serge Chermayeff. Sie trafen dort auf eine Szene, die sich der Natur verbunden fühlte - "Proto-Hippies" nennt sie McMahon -, und dem Funktionalismus von New England, der auch deswegen so sparsam mit Material umging, weil meist nicht viel da war. Jack Hall, der Mann mit dem Gondoliere-Hut am Strand, vervollständigte diese Mischung noch mit seinem ihm eigenen Bohemien-Sein. Aus gutem New Yorker Haus, nie gewohnt zu arbeiten. Aber nach diversen Ehen (auf dem Foto ist seine vierte Frau Marty zu sehen) und zahlreichen Kindern machte er sich doch ans Werk.

Das Hatch House entwarf er 1962 für den Filmkritiker Robert Hatch und dessen Frau Ruth, eine Künstlerin. Drei Baukörper, die sich alle über haushohe Fensterläden verschließen lassen und die auf Pfählen stehen, damit sie nicht die Natur stören. Minimaler geht kaum, schöner aber eigentlich auch nicht. Für McMahon, der das Haus mit seinem gemeinnützigen Verein 2013 liebevoll sanierte, "die Quintessenz der Cape-Cod-Moderne".