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Ausstellungen des Politkünstlers:Ai Weiwei Superstar

Kunst und Politik sind bei Ai Weiwei eine Einheit. Doch vor lauter Solidariät mit dem Dissidenten ist sein Werk zunehmend in den Hintergrund gerückt. Dabei zeigen zwei aktuelle Ausstellungen in London und Berlin: Die Auseinandersetzung mit dem chinesischen Künstler lohnt sich.

Alexander Menden

Die Eröffnung von "Dropping the Urn" ging vergangene Woche im Lärm der Frieze Art Fair unter. Dabei könnte das Interesse an dem Künstler, dessen Arbeiten das Londoner Victoria & Albert Museum in dieser kleinen, aber wichtigen Ausstellung zeigt, intensiver kaum sein: Gerade erst hat das Magazin Art Review Ai Weiwei auf den ersten Platz seiner "Power 100"-Liste gesetzt und damit zur einflussreichsten Persönlichkeit der internationalen Kunstszene gekürt.Und seit der Verhaftung in Peking Anfang April geht seine Prominenz sowieso weit über die Kunstwelt hinaus.

Ai Weiwei in New York - Fotografien 1983-1993

Ai Weiwei wird derzeit von zwei Ausstellungen gefeiert, wie hier im Berliner Martin Gropius Bau mit "Ai Weiwei in New York - Fotografien 1983-1993". Dort ist auch dieses Portrait des Malers Yao Quingzhang von 1988 zu sehen.

(Foto: dpa)

Man kann über Sinn und Zweck von Power-Listen streiten. Unstrittig ist jedenfalls, dass die Entscheidung des Art Review eine demonstrativ politische Geste war, und zwar eine dem Künstler durchaus angemessene. Denn auch für Ai Weiwei selbst besteht zwischen Kunst und politischem Aktivismus kein Unterschied. Doch seine politische Unbequemlichkeit speist sich nun einmal vor allem aus seinem Werk. Und das Werk ist bei all dem berechtigten Aufsehen, das seine Behandlung durch die chinesischen Staatsorgane verursacht hat, in letzter Zeit zu sehr in den Hintergrund getreten.

Bestes Beispiel für dieses seltsame Ungleichgewicht war die Londoner Enthüllung der Installation "Circle of Animals/Zodiac Heads" im Mai. Im Innenhof von Somerset House wurden zahlreiche, offenkundig von Herzen kommende Solidaritätsbekundungen abgegeben. Die Installation, von tiefer Ironie zugleich, blieb Staffage.

Im Juni offiziell entlassen, steht Ai Weiwei nun weiterhin unter Hausarrest. Ai Weiwei sei "noch immer in Gefahr", sagte denn auch am Wochenende Gereon Sievernich, Direktor des Berliner Martin-Gropius-Baus. Dort ist gerade eine Schau mit 220 Fotos aus Ais New Yorker Zeit in den Achtziger und Neunziger Jahren angelaufen. Bilder auf denen schon vieles angelegt ist, aber noch einiges angelernt aus der Pop Art der amerikanischen Metropole.

"Dropping the Urn" kommt nun aber als Erinnerung an Ai Weiweis spielerischen Ikonoklasmus gerade recht. Zunächst überrascht es, dass diese Schau in einem eher abseitigen Trakt des V&A gezeigt wird, am Ende einer langen Flucht von Sälen im sechsten Stock des riesigen Museumsgebäudes. Dort ist die Keramikabteilung untergebracht.

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