Comic-Klassiker:Rechtsstreit um "Gaston"

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Comic-Klassiker: Der berühmteste Bürobote der Welt: Gaston Lagaffe, gezeichnet von André Franquin. Das Bild entstand 2007, als belgische Zeitungen den 50. Geburtstag dieser Figur auf ihren Titelseiten würdigten.

Der berühmteste Bürobote der Welt: Gaston Lagaffe, gezeichnet von André Franquin. Das Bild entstand 2007, als belgische Zeitungen den 50. Geburtstag dieser Figur auf ihren Titelseiten würdigten.

(Foto: Gerard Cerles/AFP)

Isabelle Franquin, die Tochter des Zeichners André Franquin, klagt gegen die geplante Fortsetzung der berühmten Comicserie.

Von Martina Knoben

Er ist der vermutlich faulste, chaotischste, anarchischste Bürobote der Welt - und ganz sicher der liebenswerteste: Von 1957 bis zu seinem Tod im Jahr 1997 zeichnete André Franquin seine berühmte Figur Gaston Lagaffe, in Deutschland als Gaston bekannt. Neben Spirou, Asterix, Tim und Struppi oder Lucky Luke gehört die Reihe zu den Klassikern des frankobelgischen Comics. Gaston war, als subversiv-kreativ-verpeilter Hippie und Büromensch gewissermaßen das Gegenstück zum patriotisch-abenteuerlustigen Asterix. Generationen von Lesern begeisterte Franquin mit seinem widerständigen Witz.

25 Jahre nach dem Tod des Comickünstlers soll seine Figur nun wiederbelebt werden. Das hatte Stéphane Beaujean, Leiter des französischen Dupuis Verlags, auf dem diesjährigen Comicfestival in Angoulême angekündigt. Die Neuauflage "Le Retour des Lagaffe" hat der Kanadier Delaf übernommen (bürgerlich: Marc Delafontaine), dessen Zeichenstil dem Franquins ähnelt. Der 22. Band der Serie war als klassisches Comicalbum mit 48 Seiten geplant und sollte am 19. Oktober mit einer Startauflage von 1,2 Millionen Exemplaren erscheinen.

Die Fortführung klassischer Serien nach dem Tod der Schöpfer ist eine heikle Angelegenheit: Fans verzeihen längst nicht alles

Dagegen wehrt sich nun Isabelle Franquin, Tochter und Erbin des belgischen Zeichners. Sie habe beschlossen, ihr moralisches Recht gegen "das Plagiat von Gaston" vor Gericht geltend zu machen. So ist es in der belgische Tageszeitung Le Soir zu lesen. Ihr Vater habe sich Zeit seines Lebens wiederholt dagegen ausgesprochen, dass seine Figur Gaston ihn durch die Feder eines anderen Zeichners überlebt. Isabelle Franquin hat deshalb dringend an das Gericht in Brüssel appelliert, jegliche Vorveröffentlichung oder Werbung für das neue Gaston-Album auszusetzen.

Klassisches Fortsetzungs-Dilemma. Es ist da bei Comics am Ende nicht viel anders als im Kino: Erfolgreiche Serien, ob nun "Star Wars", "Asterix" oder eben "Gaston", sollen nicht sterben. Das wünschen sich Verleiher und Verlage, und das wünschen sich auch viele Fans. Comics haben zudem den Vorteil, dass ihre Helden nicht altern und auch keine höhere Gage verlangen, wenn die Serie dem Publikum gefällt.

Allerdings ist die Fortführung klassischer Serien nach dem Tod ihrer Schöpfer häufig eine heikle Angelegenheit: Dass etwa die Abenteuer von Asterix und Obelix nicht mehr von René Goscinny und Albert Uderzo erdacht werden, haben manche Fans der Reihe nie verziehen. "Gaston ist die größte Katastrophe, seit es Comics gibt", wirbt der Carlsen Verlag, der in Deutschland die Comicreihe herausgibt, für seinen schusseligen Helden. Bleibt zu hoffen, dass die Fortsetzung der Reihe nicht ähnlich chaotisch abläuft wie der Alltag seines Helden.

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