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Florian Illies:Sein Jahr als Verleger

Verleger Florian Illies

Nich mehr lange Geschäftsführender Verleger des Rowohlt Verlags: Florian Illies.

(Foto: dpa)

Nach nur einem Jahr gibt Florian Illies seinen Job als Rowohlt-Verlagschef auf - und folgt so dem prägenden Muster seiner Karriere.

Auf eigenen Wunsch, so lautet die offizielle Mitteilung des Verlages, werde Florian Illies, 48, im Laufe des Jahres als Verleger bei Rowohlt ausscheiden. Das ist eine verblüffende Nachricht, zum einen, weil Illies die Stelle erst am 1. Januar 2019 angetreten hatte. Bücher bedürfen langer Planungsvorläufe, weshalb ein Jahr in der Verlagsbranche kaum als Zeitraum gilt, in dem sich die Handschrift eines neuen Verlegers profiliert in den Programmen niederschlägt. Man kann also nur von einer Stippvisite auf dem Posten sprechen.

Zum anderen ist der interessierten Öffentlichkeit noch präsent, auf welch unvermittelte Weise man sich Illies' Vorgängerin, der erfolgreichen Verlegerin Barbara Laugwitz, entledigt hatte, um Illies einsetzen zu können. Insofern ist die Nachricht von Illies' Demission vor allem für das Management des Holtzbrinck-Konzerns peinlich, dem der Rowohlt-Verlag angehört. Das ist kaum zu verbergen hinter der Erklärung des Teilhabers Stefan von Holtzbrinck, er bedaure, freue sich aber "auf die Fortsetzung seiner Arbeit als Buchautor der Verlagsgruppe wie auch auf die vertrauensvolle und inspirierende Zusammenarbeit im Herausgeberrat der Zeit". Ein klarer Aufriss der vielfältigen Verbindungen zwischen Holtzbrinck und Illies.

Die letzte Personalie aus dem Hause Holtzbrinck war die Einsetzung von Walid Nakschbandi als konzerneigener Director of Content Development. Solche Nachrichten schüren den Verdacht, dass Holtzbrinck entgegen allen Erklärungen die Strukturen der Gruppe zu zentralisieren versucht, was die Möglichkeiten einzelner Verleger traditionsreicher Häuser wie Rowohlt, Kiepenheuer & Witsch und S. Fischer beschneiden würde.

Illies selbst erklärte, er habe sich entschieden, sich nun "dem Schreiben zu widmen". Bekannt wurde er als Autor des 2000 erschienen Bestsellers "Generation Golf", sein Sachbuch "1913. Der Sommer des Jahrhunderts" (2012) war ebenfalls ein großer Erfolg. Zu beiden Büchern gibt es Sequels von Illies und viele Nachahmer seiner formalen Ideen, nämlich des Generationenporträts und des Zeitgeist-Mosaiks. Insofern ist sein Rückzug als Verleger von einer gewissen Plausibilität.

Gemildert wird die Überraschung zudem dadurch, dass Illies im Laufe seiner Karriere eine ganze Reihe interessanter Funktionen bekleidet und wieder abgegeben hat. Vor seinem Antritt bei Rowohlt war er Teilhaber des Berliner Auktionshauses Villa Grisebach gewesen, davor Ressortleiter des Feuilletons der Zeit, davor Gründer und Herausgeber des Kunstmagazins Monopol, davor leitender Redakteur der Berliner Seiten der FAZ und dann des Feuilletons der FAS. Über die Jahre hinweg gesehen, macht Illies eine etwas unstete Figur. Und doch lässt einen der Aplomb und der zielsichere publizistische Instinkt, mit dem er jeweils antritt, die Rede vom Rückzug ins Schreibstübchen nur sehr schwer glauben.

© SZ vom 25.01.2020/luch
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