Filmstarts der WocheWelche Filme sich lohnen - und welche nicht

"Wir" erzählt rauschhaft von einer gespenstisch kalten Jugend. Und "Die Kinder der Utopie" bietet einen ungewohnten Blick auf das Reizthema Inklusion.

Antiporno

Den Frauen in diesem Land fehle die Freiheit der "billigsten Straßennutte". Solche Zeilen brüllt die Darstellerin, sie lässt ihre Assistentin nackt auf allen vieren herumlaufen wie einen Hund, dann werden die Rollen getauscht, die Kulissen kippen, ein Regisseur ruft "Cut". Hinter jedem Frauchen steht ein weiteres Frauchen, hinter jedem Frauchen ein Herrchen, hinter dem Herrchen ein Leguan in einer Glasflasche, vom Himmel stürzende Farbe, Konsum, Tod, und am Grunde von allem, gewissermaßen als unbewegt bewegender Letzt-Phallus, eine Kamera. Dieser quietschbunte, merkwürdige, sich selbst zerlegende Kunstporno des japanischen Regisseurs Sion Sono fühlt sich an wie eine Mischung aus Pussy Riot, Luis Buñuel und einem Mangaporno: sehr wild, sehr fremd, wie ein böser Traum. Von Philipp Bovermann

Bild: One Filmverleih 16. Mai 2019, 06:212019-05-16 06:21:05 © SZ vom 16.05.2019/cag