Im Kino: "Ich bin dein Mensch":Wovon 93 Prozent der Frauen träumen

Kinostart - 'Ich bin dein Mensch'

Kein Sekt, kein Wannenbad und keine Standardkomplimente: Maren Eggert als Alma weiß, was sie nicht will.

(Foto: Christine Fenzl/Majestic Film)

Maria Schraders melancholische Sci-Fi-Komödie über eine Frau und einen Romantik-Roboter stellt große Fragen mit herrlicher Leichtigkeit.

Von Kathleen Hildebrand

Was sucht eine moderne Großstadtfrau, nicht mehr ganz jung und hochgebildet, wenn sie die Liebe sucht? Einen Menschen, der ihr gleicht? Einen, der sie ergänzt? Einen anpassungswilligen - oder einen, der sein eigenes Leben lebt? Was eine solche Frau definitiv, partout und ganz sicher offenbar nicht sucht, ist jedenfalls das: ein Mann, der ihr abends ein Bad einlässt, umstellt mit Kerzen, bestreut mit Rosenblüten, dazu ein Glas Sekt.

Alma, Keilschriftforscherin am Berliner Pergamonmuseum, ist von dem Romantikbad, das ihr potenzieller neuer Partner ihr da eingelassen hat, schockiert. 93 Prozent der deutschen Frauen träumten genau davon, hält er ihr entgegen und versteht nicht, dass für eine wie Alma natürlich genau darin das Problem liegt. Wäre der schöne blonde Tom mit den blauen Augen ein natürlich gewachsener Mann, wäre er wohl einfach der Falsche für sie. Aber Tom ist ein Roboter und programmiert, um der perfekte Lebenspartner für Alma zu sein. Also wäre die Badszene wohl eher ein Fall für ... den Kundendienst?

Ich bin dein Mensch

Gar nicht gruselig: Almas Partner-Androide Tom (Dan Stevens) tut einem natürlich auch ein bisschen leid.

(Foto: Christine Fenzl/Majestic)

Maria Schrader erzählt in dieser romantischen Science-Fiction-Komödie von einem gefährlichen Selbstversuch. Alma testet den innovativen Romantikroboter nämlich eigentlich nur, um ein Gutachten für den Deutschen Ethikrat über ihn zu schreiben. Wie menschlich ist er, muss man ihm und seinesgleichen Rechte gewähren und wenn ja, welche? Oder ist er eine gefährliche Ware, die das ohnehin von der Technik bedrohte Feld der Liebe komplett sprengen wird, weil sie Generationen von Narzissten kritiklos debilkuscheln wird? Alma tendiert zu Letzterem. Sie hat keinen Bock auf den Versuch, macht ihn nur, um Fördermittel für ihr eigenes Forschungsprojekt rauszuschinden.

Das dreht sich um die Frage, ob es schon in frühen Keilschriftdokumenten Poesie gibt - also darum, wo und wann das echte, wahre Menschsein - die Kunst - angefangen hat. Und natürlich ist das ein Hinweis darauf, worum es hier eigentlich geht: Was macht den Mensch zum Menschen?

Bei Tom sieht es erst einmal nicht so gut aus mit der Menschwerdung. Dan Stevens spielt ihn, der mit seiner Rolle als Traummann in der britischen Adelsserie "Downton Abbey" bekannt geworden ist. Aber nicht nur das macht ihn zu einer fantastischen, humorvollen Besetzung. Als Tom stakst er freundlich durch Berlin, dreht seinen Kopf so abrupt, wie es in vielen Jahrzehnten Roboter-Science-Fiction zum Code für das Nichtmenschliche geworden ist. Nicht einmal einen Kaffee kann er bestellen, ohne dass es irgendwie merkwürdig ist.

Andererseits: Wer kann das schon, so am Beginn des Lebens als erwachsener Mensch in einer Großstadt. Wie geht das - halbwegs normal sein? Welches noch so geringfügige soziale Verhalten ist nicht erlernt und deshalb: künstlich? Hinter der sonnigen Berlin-Atmosphäre ihres Films, die auf den ersten Blick so leicht und heiter wirkt, lässt Maria Schrader es subtil philosophisch brodeln.

Ist es der Algorithmus oder wächst da ein echtes Selbstbewusstsein im Androiden?

Nach sehr vielen Fettnapftritten von Tom und Ausrastern von Alma arrangieren sich die beiden dann doch. Denn der Androide lernt: schließlich sogar, dass man einer intelligenten Frau hier und da auch mal etwas verweigern kann und vielleicht gerade dadurch zu einem ernst zu nehmenden Partner wird. Als Alma ihn nach einem schlechten Tag betrunken auch im Bett ausprobieren will wie eine bessere Sexpuppe, sagt er Nein. Bald ist auch das Kopfrucken verschwunden, die romantischen Lehrbuchgesten lässt er bleiben und weder der Zuschauer noch Forscherin Alma weiß irgendwann noch, ob sein Algorithmus einfach nun doch sehr gut funktioniert oder ob da wirklich ein echtes Selbstbewusstsein im Androiden wächst.

Wie Alma mit ihren wissenschaftlich so schlecht erklärbaren Gefühlen hadert, spielt Maren Eggert mit einer warmherzigen Sprödigkeit. Für ihre Rolle hat sie bei der diesjährigen Berlinale den Silbernen Bären für die beste schauspielerische Leistung gewonnen. Das Ende für Alma und Tom ist dann vielleicht wirklich genau das, was eine Großstadtfrau, nicht mehr ganz jung, sich von der Liebe wünscht, auch wenn sie es nicht gesucht hat: ein melancholisch schönes Wagnis, ganz ohne verstreute Rosenblüten.

Ich bin dein Mensch - D 2021. Regie: Maria Schrader. Buch: Jan Schomburg, M. Schrader, nach einer Kurzgeschichte von Emma Braslavsky. Kamera: Benedict Neuenfels. Mit: Maren Eggert, Dan Stevens. Majestic, 105 Minuten.

© SZ
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