Film Frag Mama!

Aquaman mit seinem Angeber-Dreizack.

(Foto: Warner/AP)

Ist mein Dreizack auch groß genug? James Wans "Aquaman" stellt sich existenziellen Herausforderungen.

Von Juliane Liebert

Man denkt ja immer, das Leben wäre einfacher, wenn man sehr viele Muskeln hätte und unter Wasser atmen könnte oder mit Tieren sprechen. Offenbar ist es das nicht. Das lehrt uns Jason Momoa als Superheld Aquaman im Film "Aquaman".

Der Film "Aquaman" existiert, weil Menschen Geld machen wollen. Nun existieren eine Reihe sehr nützlicher und schöner Dinge nur, weil Menschen Geld machen wollen, aber bei "Aquaman" merkt man das mit dem Geld manchmal leider sehr, denn das Ding hat einen Plot, der, nun ja, Desinteresse an der menschlichen Spezies ausdrückt. An ihren Gefühlen, ihrer Sehnsucht, ihrer Tiefe, ihrem Anstand und ihrer Furcht. "Aquaman" wäre ein deutlich besserer Film geworden, wenn man alle Figuren mit Krabben besetzt hätte.

Jason Momoa hätte dann in den Urlaub oder ins Fitnessstudio gehen oder schlimme Witze machen können, oder was Jason Momoa halt in seiner Freizeit so macht, und stattdessen hätte die Hauptkrabbe seinen Konflikt mindestens ebenso gut performen können: Sie ist halb Geschöpf des Landes, halb Geschöpf der See. Wie Aquaman. Wo soll sie leben? Kann sie beide Welten vereinen? Will sie das überhaupt?

Aber! Der Plot. Jason Momoa ist der Sohn eines Leuchtturmwärters (Temuera Morrison) und der Königin des versunkenen Atlantis (Nicole Kidman), die sich während eines Sturmes kennenlernten, bei dem die Königin an Land gespült wurde. Er hat einen bösen Halbbruder (Patrick Wilson), der über Atlantis herrscht und die Welt der Oberfläche bekriegen möchte, weil die soviel Müll in sein Meer wirft. Aber eigentlich ist Jason bestimmt, über das Meer zu herrschen, denn er hat mehr Tattoos, längere Haare und mehr Muskeln. Deswegen kommt Amber Heard (in einer Art Arielle-Adaption ihrer selbst, inklusive Bodysuit und rotem Haar) an Land, um ihn an seine Pflicht zu erinnern. Um König des Meeres zu werden, braucht Jason einen bestimmten Dreizack. Er hat schon einen Dreizack, aber der Dreizack seines Halbbruders ist größer. Wirklich jetzt, das ist der Plot. Deswegen muss er sich aufmachen, um einen noch größeren Dreizack zu finden. Denn, so Ambers Logik, wenn die Bewohner von Atlantis ihn mit diesem größten aller Dreizacke sehen, dann müssten sie ihn als ihren Herrscher anerkennen.

Die beiden machen sich also auf die gefährliche Suche nach dem größten aller Dreizacke. Dabei durchqueren sie viele verschiedene Meere, eine Wüste und einige recht dahergeholte Nebenplots. Der legendäre Riesendreizack ist, Achtung, hier wird es freudianisch, auf einer Insel im Mittelpunkt der Erde, wo sie Jasons lang verschollen geglaubte Mutter (immer noch Nicole Kidman) wiederfinden, und wird von einem Monster bewacht. Das Monster gibt den Dreizack nur demjenigen, der würdig ist, sagt die Mutter zu Jason und seiner Begleitung.

Schon unzählige haben es versucht, keiner hat es geschafft. Alle wurden sie umgebracht, und ihre Knochen stapeln sich auf dem Grund des Meeres. Die Lösung ist, Achtung, Spoiler: Das Monster, das den legendären großen Dreizack bewacht, wollte all die Jahrtausende nur, dass mal jemand mit ihm redet. Aber niemand hat sich die Mühe gemacht, geschweige denn mal Bitte gesagt. Aquaman fragt also nett, kriegt den Dreizack, Happy End. Kommunikation ist die Antwort! Er hätte Mama einfach nur fragen müssen, dann hätte sie ihm den größten Dreizack von allen gegeben. Das Leben könnte so einfach sein.

Aquaman, USA 2018 - Regie: James Wan. Buch: Will Beal. Kamera: Don Burgess. Mit Jason Momoa, Amber Heard, Willem Dafoe, Temuera Morrison. Verleih: Warner Brothers, 144 Minuten.